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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 186

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 186 (sequence 54)
Language
German
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186 Hartmann einige trauliche Worte wechselte, während die von der Anwesenheit dieser Reichsdeputation und ihres Führers Blum begeisterten Volksmassen vor der Türe lärmende Huldigungen gen Himmel schickten. Mich gemahnte der in das Schicksalsnetz der äußersten Frankfurter Linken verstrickte Dichterjüngling, wie der liebliche „Gieselhar das Kind" — und wie vieles hatte er noch zu erleben und zu erdulden. Schon lange soll sein kastanienbrauner üppiger Bart ergraut, die rosige Frische seiner Wangen erloschen sein, und sein Antoniuskopf gebeugt von schweren Krankheiten, die er im Orient während des Krimkrieges überstanden, auf den ermatteten Schultern ruhen. Sein Geist ist aber wohl noch frisch, und sein liebenswürdiger poetischer Humor sprudelt noch aus seinen, allerdings nur flüchtigen und des tiefern künstlerischen Gehalts entbehrenden Arbeiten, die teilweise reizend erfunden und ausgeschmiedet, teilweise aber auch nur auf das gewöhnliche Lesebedürfnis der Menge berechnet sind. Der Sommer 1845, in welchem die Mittätigkeit an der geschilderten Bewegung innerhalb der Reformgesellschaft mein Hauptinteresse in Anspruch nahm, neigte sich zu Ende, ich zog die Bilanz meiner zwar bis zu Ende durch regelmäßigen Kollegienbesuch betriebenen aber doch noch nicht durch selbstständige Nach- und Durcharbeitung zu meinem geistigen Besitztum gemachten juristischen Studien, und fand, daß ich in den noch übrig gebliebenen zwei Semestern noch ein großes Arbeitsfeld zu überwältigen habe. Als ich den Wanderstab nach der mir als so bezaubernd ausgemalten Musenstadt am Neckar lenkte, war ich dennoch mehr an den ernsten Gedanken an eine rasche und gründliche Lösung meiner nächsten Lebensaufgabe, als von Lust und Hoffnung auf neuen Lebensgenuß erfüllt. Dennoch behielt doch der frische und ungebrochene Jugendmut, und die Begierde neue Menschen und Dinge kennen zu lernen, wie billig, die Oberhand. Mitte Oktober brach ich auf, machte in dem schon bekannten Leipzig einen kleinen Aufenthalt, da es Meßzeit war, und sprach auch bei dem biedern Buchhändler Weber vor, der zu meiner polnischen „Jadwiga" in so splendider Weise Gevatter gestanden. Sein Chefredakteur vr. Schellwitz, ein trockener Geschäftsmann, nahm mich sreundlichst auf, und hatte damals den kuriosen'

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