Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 53)
- Language
- German
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185 arbeitet Jacob Kaufmann*), der später nach England übersiedelte und endlich der in jugendlicher Frische, wie ein von Blüten überschütteter Baum das Auge erfreuende, durch seine vollendete männliche Sckiönheit wie durch seinen heitren Geist bezaubernde Dichter Moritz Hartmann**), der eben die ersten berauschenden Tropfen des dichterischen Ruhmes nach dem Erscheinen seines „Kelch und Schwert" genossen hatte, und in der — ich weiß nicht ob unfreiwilligen — Verbannung von seinem undankbaren Vaterlande das schöne freie Poetenleben von der besten Seite zu nehmen wußte. Diese drei Männer vom Rütli — sie waren ja gegen Oesterreich verschworen und hatten eine große Partei hinter sich — hielten zusammen Haus im großen Hotel de Silogne zu Leipzig, und gaben uns jungen Studiosen eine gar lustige Audienz nach dem Diner bei einer guten Tasse Kaffee. Mit gravitätischer Würde präsidierte der ernste Politiker Kuranda, seine schmächtige Gestalt in einen grünen Sammetschlafrock und seinen markiert orientalischen Kopf unter einer echt türkischen Fez verhüllend. Kaufmann, schlicht und gemütvoll, der junge Dichter aber, dem die ganze Schalkhaftigkeit des spätern „Pfaffen Mauritius" aus der reichsherrlichen Frankfurter Parlamentszeit von 1848 schon aus den Augen blinzelte, sprühte Lebenslust und Humor, wie er uns — ich weiß nicht mehr ob von seiner eigenen oder von Kurandas — direkter Abstammung aus dem Blute des hochberühmten Rabbi Lipmann Heller erzählte, der in der ganzen zerstreuten Gemeinde Israels als der Verfasser des Mischnakommentars „Tossaphofc Jom tow“ verehrt wird***). Ich habe Hartmann später noch einmal flüchtig in Berlin, und zuletzt im Herbste 1848 in Breslau gesehen, als Begleiter Robert Blums und Julius Fröbels auf der verhängnisvollen Nibelungenfahrt nach dem „schönen blauen Donaustrande", wo jener grimme Hagen der Revolution sein blutiges Ende fand. Es war im Saale zum blauen Hirsch in der Ohlauerstraße, wo ich mit *) lieber Jacob Kaufmann vgl. Wurzbach LI, 59. **) Geboren 15. Oktober 1821 zu Duschnik (Böhmen), starb 13. Mai 1872 in Oberdöbling bei Wien. Vgl. ADV 10, 697 ff. ***) Vgl. David Kaufmanns Abhandlung in der „Monatsschrift für Gesch. und Wiffensch. des Judenthums", Jahrg. 37, S. 378 ff.