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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 182

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 182 (sequence 50)
Language
German
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182 auf den Poeten selbst zu übertragen. So war es in der Tat. Vom Rhein über Weimar, Halle, Leipzig nach Berlin war Auerbachs erste Nordfahrt damals ein wahrer Triumphzug, die sozial höchsten und geistig edelsten Kreise öffneten sich ihm, und seine an sich schlichte und tiefe, durch das anmutende süddeutsche Wesen, eigenartig gehobene Natur, in welcher sich philosophische Denkarbeit und ursprüngliche poetische Schöpferkraft, zu einer originellen Dichterindividnalität verschmolzen, übte eine Art von Zauber aus, der das literarische Interesse für seine Dichtungen aufs intensivste verstärkte und auf seine Person übertrug. Ich war Zeuge dieses persönlichen Eindruckes sowohl in Berlin, wie später in Breslau, und ich kann nicht sagen, daß an diesen Huldigungen, die allerdings zuweilen in eine kleine Idolatrie ausarteten, etwas Gemachtes war, oder daß sie von der Reklame in Scene gesetzt waren. Durch Immanuel wurde ich gleich in den ersten Tagen mit Auerbach bekannt, und der allgemein gefeierte, in den höchsten Zirkeln gesuchte, von der Kritik mit seltener Einstimmigkeit in den Himmel gehobene Dichter kam mir, dem jungen, schüchternen und durch nichts als sein Streben bemerkbaren Studenten, in nicht langer Zeit, so Vertrauens- und liebevoll, so aufrichtig wohlwollend entgegen, daß ich mich bald, und mit Recht nicht ohne Stolz, seinen Freund nennen durste. Dieses Verhältnis hat sich später, bei Auerbachs längerem Aufenthalte in Breslau, im Jahre 1847, auf welchen ich weiter zurückkommen will, noch intimer gestaltet; ich kann es nur einem gewissen gegenseitigen sympathischen Zuge zuschreiben, der sich selbst bis heut durch fünfundzwanzig Jahre unverwischt erhalten hat, trotzdem wir in dieser langen Zeit uns nur äußerst selten, und dann auch nur vorübergehend auf Tage oder Stunden wiedergesehen haben. Dieses glückliche Zusammentreffen mit dem hochgefeierten Dichter, in der Blütezeit seines Ruhmes und seiner Schaffenskraft, gewährte mir einen ebenso tiefen wie ungetrübten Einblick in den Charakter und die ganze Individualität desselben, welche bekanntlich, wie das ja zu geschehen pflegt, im Verlauf der Zeit, auch manche schiefe und unliebsame Beurteilung nach der litterarischen wie nach der rein menschlichen Seite zu erfahren hatte. Ich habe in jener

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