Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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181 warmem Dankgefühl dieses Freundes, den nach kurzem aber innigem und nie getrübten Zusammensein die Wogen des Lebens weit hinweggeführt haben, bis über den Weltozean, dessen Bild und Wesen aber noch frisch in meinem Herzen leben. Sein Name ist Immanuel Auerbacher, er ist ein leiblicher Vetter des eben erwähnten Dichters Berthold Auerbach, dessen erste persönliche Bekanntschaft ich gleichfalls jenem zu verdanken hatte. Er war aus Karlsruhe i. B., hatte schon in Freiburg und Heidelberg studiert und kam durch bloßen Zufall, vielleicht als Banknachbar in einem Kolleg, in nähere Berührung mit mir. Den nächsten Anknüpfungspunkt zwischen uns bot der Umstand, daß wir beide die einzigen jüdischen Hörer der juristischen Fakultät waren. Sein biederes süddeutsch-gemütvolles und doch kräftiggeartetes Wesen übte Anziehung auf mich aus, und es dauerte nicht lange, so standen wir in inniger geistiger und herzlicher Beziehung. Immanuel wollte praktischer Jurist werden, da in seinem Vaterlande Baden schon damals die Juden zur Advokatur zugelassen waren, ein Vorzug, den ich ihm gar sehr beneidete. Er schilderte mir das süddeutsche Leben, das regsame politische Treiben, von dem wir im damals noch absolutistischen Preußen keine Ahnung hatten, die Herrlichkeit der Natur und noch Vieles in seiner Heimat in so verlockenden Farben, und stellte mir überhaupt die Sache in einem so günstigen Lichte dar, daß ich ihn in seine Heimat zu begleiten, oder doch ihm nachzufolgen versprach. So war das letzte Halbjahr meines Berliner Aufenthaltes gewissermaßen schon eine Vorbereitung auf den Uebergang nach Heidelberg, wohin Freund Auerbacher bereits Ostern 1845 zurückgekehrt war. Der vorangegangene Winter war nach einer andren Lebensrichtung auch sehr interessant für mich. Beim Beginne desselben kam Berthold Auerbach nach Berlin, es war der erste Wanderflug dieser süddeutschen Dichterschwalbe nach dem Norden, dessen gebildete Kreise in einem unsre heutige Vorstellung übersteigenden Grade von dem wunderbaren Hauche aus dem Schwarzwalde, den die eben erschienenen „Dorfgeschichten" verbreiteten, ergriffen waren, und bald Gelegenheit finden sollten, diesen Enthusiasmus von dem Werke