Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 48)
- Language
- German
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180 einige in Breslau zählte, über die Verlegenheiten des Augenblicks hinaus, während ich meine Wünschelrute hier und dort anschlug, um eine gewinnbringende Mine zu entdecken. Im Frühjahr 1845 versuchte ich es eine Novelle zu stände zu bringen, womöglich eine „Dorfgeschichte", — eine Gattung, die eben damals durch Auerbach mit so großem Erfolge in Aufnahme gekommen war. Ich schrieb etwa zwei oder drei Kapitel der „Jadwiga", sandte sie frischweg an den unternehmenden Buchhändler I. I. Weber in Leipzig, der außer der so berühmt gewordenen, noch jetzt existierenden „Illustrierten", auch eine Novellenzeitung gegründet hatte, und frug bescheidentlich an, ob die Arbeit gegen Honorar angenommen werde. In wenigen Tagen erhielt ich einen schmeichelhaften und günstigen Bescheid mit guten Honorarbedingungen. Nun galt es den Plan ausdenken und zu Ende führen, denn mit dem 1. Juli sollte der Abdruck beginnen. Während desselben erlitt ich wiederum eine Anfechtung durch die Zensur, zwar nicht die sächsische, aber die österreichische, welche die Schilderung eines intriganten Geistlichen für Oesterreich beanstandete, so daß, um den dortigen Absatz zu retten, eine Umarbeitung der gefährlichen Stellen erfolgen mußte. Weber zahlte gut und bestellte bald darauf gar noch eine kleine Erzählung im populären Ton für seinen illustrierten Kalender, zu der er sogar Originalholzschnitte fertigen ließ. Auch eine wissenschaftliche Arbeit, aus dem Gebiet des Eherechts, und zwar eine vergleichende Darstellung des mosaisch-talmudischen und des römischen Eherechts, verfaßte ich für den israelitischen Kulturverein/) der solche Studien durch ansehnliche Honorare unterstützte. So war ich mit Mitteln ausgerüstet, um den inzwischen gefaßten Plan auszuführen, mein drittes juristisches Studienjahr in Heidelberg zuzubringen. Diese für meine damaligen Verhältnisse allerdings etwas kühne Idee war nicht in meinem Kopfe entsprungen. Die Freundschaft eines treuen Kommiltionen hatte sie erzeugt, in mir zum lebhaften Wunsch entzündet, und durch Rat und Tat zur Ausführung bringen helfen. Ich gedenke mit *) Vgl. Jost a. a. O. S. 184.