Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 179

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 179 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111080-3112432--1912-3112623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

179 Im weitem Verlauf der Vorträge mußte derselbe nur noch Zunehmen, als der Redner nicht nur die Elemente des derzeitigen Judentums einer strengen kritischen Analyse unterwarf, sondern als das Produkt derselben die leibhafte Organisation einer sogenannten „deutsch-jüdischen Kirche" als ein praktisches Ziel hinstellte, deren Glieder in symmetrischer Reihenfolge die „Gemeinde", die „Landeskirche" und die „Gesamtkirche" bilden und für deren innere Entwickelung keine anderen überlieferten Gesetze gelten sollten, als das im Flusse begriffene freie schöpferische Religionsbewußtsein der Gegenwart. In jener Zeit, wo der Drang nach neuer religiöser Formgebung für den aus der Philosophie überkommenen neuen Denkinhalt gleichsam schon in der Luft lag. Wo Uhlich und Wislicenus die freien protestantischen Gemeinden und Rouge*) den Christkatholizismus mit dem Hauche ihrer begeisternden Reden, ja mit dem Wehen eines Blatt Papiers, wie der. geharnischte Brief an den Bischof von Trier wegen des heiligen Rocks, zu erwecken vermochten — in jener Zeit gestaltete sich ein noch so ideal-platonisch ausgedehnter Ausbau einer „deutsch-jüdischen" Kirche, sofort zu einem Programm, um das sich Gleichgesinnte scharten. Für mich bildet jener Abschnitt eine wohltuende Erinnerung, nicht minder um der Sache willen, als der interessanten Personen, mit welchen diese mich in rege Beziehung brachte ... Stern kam später als Direktor des Philantropins nach Frankfurt a.M., wo er im vollen Mannesalter verstarb**). Meine persönliche Lage in Berlin hatte inzwischen eine nicht gar zu freundliche Färbung angenommen. Die Freund'sche Zeitschrift fand keinen Fortgang) andere literarische Erwerbsquellen des Herausgebers schienen gleichfalls zu versiegen, und er sah sich deshalb wohl genötigt, mir eines schönen Tages unser Verhältnis zu kündigen. .Ich mußte nun, wollend oder nicht, nach einem andern Einkommen ausschauen — und in den Kampf des Lebens eintreten. Glücklicherweise halfen mir hochherzige Freunde, deren ich namentlich noch *) lieber Uhlich, Wislicenus und Rouge vgl. ADV 39, 171 ff., 43, 542 ff., 29, 129 s. **) Vgl. oben S. 159. 12*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.