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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 178

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 178 (sequence 46)
Language
German
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IRI
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178 durchaus äußerlichen Restauration der Zeremonialinstitute, sei es auch in einem modernen Gewände, keinerlei tiefere Befriedigung . . . Bald schien es als ob das Wort, das den Zauber bannen, die Befreiung von drückenden Fesseln bringen sollte, gefunden wäre. Dr. Sigmund Stern, ein für das höhere Lehrfach ausgebildeter, mit der Hegelschen Philosophie vertrauter, mit bedeutenden oratorischen Talenten ausgestatteter Privatgelehrter kündigte im Januar 1845 öffentliche Vorträge „über die Aufgaben des Judentums und der Juden" an. Dergleichen Vorlesungen waren eine fashionable Unterhaltung, man hatte sie damals schon auf allen Gebieten: es war daher natürlich, daß sich ein zahlreiches und gewähltes jüdisches Auditorium, darunter auch Frauen, beteiligte. In dem ersten Vortrag orientierte der Redner in seinem Gegenstände durch eine gut gegliederte Uebersicht der jüdischen Geschichte; in dem zweiten wagte er sich schon an eine sehr delikate Partie seiner Aufgabe. Er entwickelte oder vielmehr konstruierte nach der damals noch geläufigen Hegelschen Geschichtsmethode das innere und historische Verhältnis zwischen Juden- und Christentum,. indem er die relative Berechtigung dieser gegensätzlichen weltgeschichtlichen Erscheinungs- und Anschauungsformen und den voraussichtlichen Prozeß ihrer allmählichen Verschmelzung in eine höhere Einheit, in klarer und eleganter Gedankenfolge darlegte. Schon die Wirkung dieses, in einer effektreichen Parabel auslaufenden Exposes war eine weitreichende. Ein Gewitter war im Anzug. Da gab es zuerst im Kreise der Hörer selbst Mißverständnisse über den Sinn der von dem Redner allzuphilosophisch gefärbten Beziehungen der beiden Religionen, aufzuhellen und zu beseitigen — dann öffentliche Angriffe von mancher Seite zurückzuweisen. Auch die gewichtigen, in allen Berliner Angelegenheiten maßgebenden Stimmen der Zeitungsreferenten, wie Rellstab*), Willibald Alexis**) u. A. mengten sich hinein, und bald standen die Vorlesung'en und die von ihnen angeregten Fragen einer praktischen Reform des Judentums im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. *) Vgl. ADV 28, S. 781 ff. **) Vgl. ADV 10, 600 f.

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