Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 42)
- Language
- German
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174 spezifischen wissenschaftlichen Anknüpfungspunkte an das von Zunz mit so anerkanntem Erfolge angebaute Feld der mittelalterlichen jüdischen Literatur hatte. Zunz, der in seinen jüngeren Jahren im Verein mit Ed. Gans, Heinrich Heine und Moses Moser den Verein zur Beförderung der Kultur unter den Juden*), auf der Grundlage einer geläuterten wissenschaftlichen Erkenntnis des Judentums und seiner geschichtlichen Institution gestiftet hatte, war nach dem Abfall dieser Freunde von dem gemeinschaftlichen Streben, den er im Innern sicherlich wie eine Fahnenflucht verurteilen mochte, um so mißtrauischer gegen stürmische Reformbestrebungen geworden, und entwickelte, in stillem Grollen gegen manche Erscheinungen des Tages, diese Strömung in sich bis zur offenen Gegnerschaft aller Neuerungen auf religiösem Gebiete, während er in der Politik seit 1848 dem radikalen Demokratismus huldigte, zu welchem auch die alle seinem literarischen Produkte kennzeichnende geistige Vornehmheit, die einen förmlichen Aristokratismüs in der Wissenschaftrepräsentiert, in einem gar seltsamen psychologischen Kontraste sich befindet. In einem ziemlich verwandten Kreise geistiger Bestrebungen, aber mit viel mehr Berührungspunkten nach andren Gebieten der Wissenschaft und Kunst, bewegte sich ein zweiter, damals nach außen hin noch wenig bekannter, später aber zur ausgedehntesten Popularität gelangter Mann, dem ich das Glück hatte, näher zu treten, und der seinen physischen Eigentümlichkeiten nach, den schärfsten Gegensatz gegen Zunz bildet, ich meine A. Bernstein**) (früher pseudonym Aug. Rebenstein), den berühmten Verfasser der Leitartikel des ehemaligen „Urwählers", jetziger „Vokszeitung", in Berlin. Bernstein, aus dem Westpreußischen oder Brombergischen stammend, lebte zu jener Zeit in ziemlich bescheidenen Verhältnissen in Berlin. Er betrieb, wenn ich nicht irre, eine Art Buchhandel oder sonstiges literarisches Gewerbe in kleinem Umfange, und beschäftigte sich vorzugsweise mit schriftstellerischen Arbeiten, sowohl auf belletristischem und kunstkritischen, wie auf jüdisch-theologischem und natur- *) Vgl. Graetz, Gesch. der Juden, Bd. XI, S. 397 ff. **) Vgl. oben S. 159.