Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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173 ein Festspiel aufzuführen. Ich verweile bei dieser Erinnerung um so lieber, als sich meine Beziehungen zu jenem Hause, sowohl zu der noch lebenden würdigen und geistesfrischen Matrone, wie zu den glücklich verheirateten Töchtern in ungeschwächter Freundschaft bis auf den heutigen Tag erhalten haben, wenn sie auch jetzt nur auf ein gelegentliches flüchtiges Wiedersehen zwischen langen Jahren der Trennung und auf einen leider sehr sparsamen Briefaustausch sich beschränken. Auch in anderen Häusern war. ich freundlich ausgenommen und eines anregenden Umganges mit geistvollen Männern und Frauen teilhaftig; so in dem Hause des berühmten jüdischen Literators Di-. Leopold Zunz*), der einige Charakterzüge eines Sonderlings an sich halle, selbst in seinem eigenen Hause sich, namentlich gegen neue Eindringlinge, gern stumm und abgeschlossen verhielt, und seiner liebenswürdigen, hochgebildeten und gesprächfamen Frau am liebsten die ganzen Kosten der Unterhaltung auferlegte. Fast wäre bei meinem ersten Eintreten in seinen Kreis (an einem Freitagabend znm üblichen „Fischessen", bei dem sich die Hausfreunde ungeladen einzufinden pflegten) alle meine, nicht besonders entwickelte Redekunst an dem eisigen Panzer des wortkargen Hausherrn gescheitert, der auf Alles, was man Vorbringen mochte, nur ein feines ironisches Lächeln oder eine scharfe lakonische Bemerkung entgegen setzte, die zur Fortsetzung der Konversation nicht besonders ermunterte. Ich weiß nun nicht mehr, wodurch es mir dennoch an jenem Abend gelang, das Eis zu brechen, und dem sarkastischen Kauz die Zunge zu lösen. Aber das Wunder geschah wirklich, und die gutmütige Frau Doktorin erzählte mir nachmals mit reizender Offenheit, welche Angst sie um mich ausgestanden, und wie erleichtert sie sich fühlte, als ich den richtigen Ton anzuschlagen wußte, der in dem verschlossenen Geiste ihres von ihr über Alles hochverehrten Gatten einen Wiederhall fand. Seitdem war ich ein gern gesehener Gast des bescheidenen Gelehrtenhauses, in dessen Allerheiligstes, die Studierstube, ich freilich niemals eindrang, da ich keine *) lieber ihn und seine Frau vgl. Jahrgang 1902 u. 1903 dieses Jahrbuchs, S. 159 ff und 120 ff.