Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 40)
- Language
- German
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172 spielen und anderen Unterhaltungen beizutragen. Durch eine mitgebrachte Empfehlung fand ich gleich bei meiner Ankunft in Berlin in dem Hause eines schlichten Geschäftsmannes, Namens Josephson, Zutritt, der sich persönlich nur durch seinen biedern redlichen Charakter bemerklich machte, zugleich aber das Glück hatte eine Gattin, Schlesierin von Geburt, zu besitzen, welche durch edle Herzensbildung, lebhaften Geist und Empfänglichkeit für alles Schöne und Hohe bei überwiegender praktischer Verständigkeit das seltene Muster einer echten Hausfrau darstellte. Ihr zur Seite standen zwei aufblühende und zwei noch jüngere Töchter, die letzteren damals iü den Kinderjahren. Die eriteren besaßen eine gediegene Bildung, welche sich aufs Bescheidenste hinter den Tugenden schlichter Häuslichkeit und einfacher ungekünstelter Empfindung zu verbergen wußte, um in den geeigneten Momenten, wo es darauf ankam, seinen Mann zu stehen, desto überraschender zum Vorschein zu kommen. Hier war in der Tat die Blüte weiblicher Sitte zu einem anmutigen, srischduftendem Kranze gewunden; fern war alle romantische Ueberschwenglichkeit, alles Streben und Trachten nach phantastischen Idealen einer verträumten Welt, und doch war der Sinn 'für das wahrhaft Poetische, für die Poesie der Wirklichkeit und des täglichen Lebens, welche die „gemeine Deutlichkeit der Dinge" rings um uns her vergoldet und in dem Dufte des Ewigen und Unendlichen einhüllt, so lebendig und rege, daß er uns in jedem Augenblick wie ein Zauberstab zu Diensten stand, um uns selbst und unsere Umgebung in das Reich der schönen Imagination zu versetzen. Hier fand ich nach wenigen Wochen schon eine schönere Heimat, als ich sie je in der fremden großen Stadt erwarten zu dürfen glaubte, da die ganze Familie mir mit edelstem Anteil in jeder Hinsicht entgegenkam. Hier versammelte sich allwöchentlich ein lebendiger Kreis jugendlicher Geister, in deren Mitte auch den älteren Freunden die Schwingen der Phantasie, wie in früherer Jugend, sich entfalteten zum Mitfluge in das Reich der Ideale. Es wurde gelesen, konversiert, disputiert, und anl Ende auch Theater gespielt, wobei ich als Dichter, Dramaturg und Regisseur fungierte, als es galt, Pro- und Epiloge zu schreiben, oder zum Geburtstage der Dame des Hauses