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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 170

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 170 (sequence 38)
Language
German
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IRI
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170 denn auch mit verschiedenen Kreisen strebsamer und tüchtiger Kommiltionen in freundlicher und anregender Verbindung stand. Eine solche gleichzeitig mit einigen der einflußreichen Fakultätslehrer anzuknüpfen, was in Berlin allerdings schwieriger als an kleinen Universitäten war, habe ich nicht versucht und hatte es später sehr zu bedauern, als ich im vierten Semester meines juristischen Studiums, ernstlichen Vorarbeiten zur Lösung der Fakultätspreisaufgabe (de crimine et judicis repetundärum) unternahm, die ich teils aus Mangel an Zeit, teils aber und hauptsächlich aus Mangel an dem dazu erforderlichen Bücherapparat, der aus der Bibliothek nicht zu erlangen war, liegen lassen mußte. Die nähere Bekanntschaft mit den Fachprofessoren und deren anleitende Förderung solcher ersten wissenschaftlichen Versuche ist für den Erfolg derselben jederzeit mitentscheidend. legen. Der Redner ging von einer Darstellung der Ideen über die Urgeschichte der Menschheit aus, gab dann eine Analyse des mosaischen Staats, behandelte die Systeme des Plato, Aristoteles und gab aus diesen, wie aus Cicero und Tacitus ausgewählte Beläge, die durch ihre schlagenden Beziehungen auf Zustände der Gegenwart von zündender Wirkung waren. Hauptsächlich geschah dies aber bei der Entwickelung der Ideen des neuen Testaments, an denen der Redner mit einer damals ungewohnten Schärfe den tiefen Zwiespalt des christlichen Bewußtseins mit dem Wesen des modernen Staats enthüllte. Der diesem Thema gewidmete Vortrag wurde durch rauschende Beifallsbezeugungen unterbrochen, welche die Schließung der Vorträge herbeiführten. Im Staatsanzeiger wurde, nicht sowohl die erwähnte Ausschreitung der Zuhörerschaft, als die Vorträge selbst als ein öffentlicher Unfug bezeichnet, den die Regierung nicht dulden dürfe. Die philosophische Fakultät, von welcher man allgemein (wie in dem vorangegangenen Falle mit Bruno Bauer) eine Intervention zum Schuhe der Lehrfreiheit erwartete, gab eine den gemaßregelten Dozenten preisgebende schillernde Erklärung dahin ab: „daß, da die Vorfälle in dem Hörsale, welche neue Störungen durch Beifalls- und Mißsällsbezeigungen erwarten ließen, abgesehen von dem Inhalt der Vorträge, keinen günstigen Schluß aus die ganze Haltung und die wissenschaftliche Ruhe der Betrachtung gestatten, die Fakultät auch ihrerseits die Fortsetzung jener Vorlesungen nicht - würde haben vertreten können." Diese Rechtfertigung eines polizeilichen fait accompli durch die Vertreter der freien Wissenschaft war es dann besonders, welche die jugendliche Aufregung in den Gemütern der Studenten erweckte und lange in Atem erhielt. Vorläufig deckte der dunkle Mantel der Zensur das glimmende Feuer zu, das sich zu den übrigen Funken unter der Asche sammelte.

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