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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 162

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 162 (sequence 30)
Language
German
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IRI
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162 ersten Ansätze meine Sporen verdienen und zwar in einem Turnier mit einem zwar etwas zopfigen und ungelenken, aber darum doch nicht zu verachtenden Gegner. Ein damals noch im Amt stehender Königlicher Geheimer Ober-Finanzrat, Namens Wohlfahrt*), hatte, im Anschluß an die bekannter gewordenen Schriften des Geheimen Rats Streckfuß, eine Broschüre gegen die „Judenemanzipation" veröffentlicht, in welcher mit schonungsloser Konsequenz das Prinzip des „christlichen Staats" gegen die liberaler Seits so stürmisch geforderte Gleichstellung der Juden in staatlichen und bürgerlichen Rechten zur Anwendung gebracht wurde. Es galt, dieses Prinzip in seiner begrifflichen Unhaltbarkeit und seiner politischen Unverträglichkeit mit gesunden Staatsverhältnissen aufzudecken und die Gefährlichkeit jener Anschauungen zu betonen. Ich trat nun, mit geschlossenem Visier freilich, in einer anonymen kleinen Broschüre unter dem Titel „Herr Geheimrat Wohlfahrt und die Juden", gegen den hochstehenden Degner auf, und fand, wenigstens auf Seiten der liberalen Presse, beifällige Zustimmung. Die Arbeit erlöste mich von dem Hangen und Bangen in der rückwärts starrenden träumerischen Melancholie, gab mir Munterkeit und geistige Frische, indem sie mir zugleich den Einblick in die große litterarische Regsamkeit der Metropole des Geistes eröffnete, wo in jedem Augenblick Alles gleich fertig dalag, um in das Gefecht zu rücken, und die richtigen Kräfte gegen den Feind ins Feld zu stellen. Ueberall war Rüstzeug angesammelt, auf jedem Posten standen wohlgeübte Streiter, — es bedurfte nur eines Signals, und der Tanz ging los. Ein solches geistiges *) Karl Streckfils; (geboren in Gera 20. September 1779, starb in Berlin ani 26. Juli 1844), der bekannte Uebersetzer Ariosts, Tassos und Dantes, der 1839 in seiner Schrift „Ueber die Verhältnisse der Juden zu den christlichen Staaten" die Ausnahme-Gesetze gegen die Juden verteidigte, nahm in einer unter dem gleichen Titel mit dem Zusatz: „Zweite Schrift" 1843 erschienenen Abhandlung seine Vorschläge zu Gunsten einer vollen Gleichstellung der Juden zurück. Den von ihm verlassenen Standpunkt vertrat dann Wohlfahrt in seinen Schriften: „Ueber die Emanzipierung der Juden in Preußen" (Potsdam 1843) und „Art und Ziel der öffentlichen Stimmen in dem Preußischen Judentum" (Berlin 1844).

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