Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 27)
- Language
- German
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159 Zeit eine neue jüdische Monatsschrift unter dem Titel: „Zur Judenfrage" in Berlin gegründet, die auf einer sehr tüchtigen politisch-juridischen Grundlage dem entschiedensten Fortschritte auf dem religiösen Gebiete huldigte. Es waren tüchtige Mitarbeiter an Dr. Sigismund Stern*), A. Bernstein in Berlin**), Geiger, Muhr in Pleß***), u. s. w. gewonnen, und das Blatt versprach ein bedeutendes und wirksames Organ für die Förderung der Emanzipationswie der Reform frage zu werden. Durch einige von mir geschriebene Artikel aufmerksam gemacht, und von Geiger dazu ermuntert, engagierte mich Or. Freund als ständigen Mitarbeiter und Redaktionsgehilfen, indem er mir ein festes Jahreshonorar von 200 Talern zusicherte, welches mir die Uebersiedelung nach Berlin und eine, allerdings auch für einen Studenten nur bescheidene Existenz daselbst ermöglichen sollte. Gleichzeitig erweckte Freund den Vorsatz in mir, mich fortan dem Studium der Jurisprudenz zu widmen, als derjenigen Wissenschaft, welche in dem weitern Kampfe um die Gleichberechtigung unsrer Glaubensgenossen, in den ich mit eintreten sollte, die einzig tauglichen Waffen darbiete und gebrauchen lehre, und welche, wenn auch vorläufig keine Aussicht auf eine staatliche Anstellung, so doch jedenfalls eine zweifellose Anwartschaft auf ein Syndikat bei einer der größeren jüdischen Gemeinden des Vaterlandes eröffne, weil die damals allgemein erwartete gesetzliche Reorganisation der jüdischen Gemeinden mit geordneten administrativen Einrichtungen derartige Aemter unentbehrlich machen werde. Dies alles leuchtete mir aus vielen Gründen ein. Erstlich weil ich mich aus dem Zustande des Schwankens in Bezug auf meine Studien herzlich hinaussehnte, sodann weil der Aufenthalt in Berlin einen leichterklärlichen Reiz auf *) Geboren in Karge (Unruhstadt) 2. Juli 1812, starb als Direktor der Philantropins in Frankfurt am Main am 9. Mai 1867. Näheres über seinen Lebensgang enthält der von Jak. Auerbach verf. Bericht der genannten Anstalt vom Jahre 1868. **) Geboren 6. April 1812 in Danzig, starb 12. Februar 1884 zu Lichterfelde. ***) Geboren 7. April 1781 in Berlin, starb 11. Juni 1847. Vgl. näheres über ihn in meinem „Abr. Muhr., Ein Lebensbild" (Breslau 1890).