Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 25)
- Language
- German
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157 heutzutage unentbehrliche Stilgewandheit, und einen gewissen Farbenschmuck des Ausdrucks, der jeden Vortrag belebt, zu verleihen am besten geeignet sind. Für meine Person habe ich mich, selbst in jener wagehalsigen Jugendperiode über das lyrische Gebiet nicht hinausverstiegen, und — bis auf einige kleine Festspiele in dramatischer Form — habe ich es in den andren Gattungen höchstens zur Novelle gebracht. Dem Drama bin ich mit ehrfürchtiger Scheu, trotz des lebhaftesten Interesses für das Studium der ästhetischen Gesetze dieser Dichtgattung und besonderer Vorliebe für fremde Produktionen, jeder Zeit aus dem Wege gegangen. Kaum daß ich mir getraute hin und wieder in meiner Seele aufgetauchte Pläne auf das Papier zu setzen, vielweniger auch nur mit einigen Szenen die Probe zu machen. Das Wenige, was ich an poetischer Schaffungs- und Gestaltungskraft in mir verspürte, wurde gleich im Embryo von der eigenen Kritik erbarmungslos vernichtet und zur ewigen Grabesnacht verurteilt. Dies bleibt mein einziges Verdienst um die deutsche Litteratur! 14. April 1871. Anderthalb Jahre haben diese Blätter geruht, ungern, ich weiß nicht mehr, durch welchen äußeren Anstoß die Stimmung, aus welcher sie hervorgegangen, rasch wieder verweht war. Djese Spanne Zeit schließt jetzt einer der größten weltgeschichtlichen Epochen ein — den deutsch-französischen Krieg 1870-71 mit dem glorreichen Frieden, der Einverleibung von Elsaß-Lothringen in das wiedererstandene neue deutsche Reich. Doch nicht um der größten Völkergeschicke zu gedenken, oder um die eigenen Erfahrungen in der eben verflossenen wunderbaren Zeit aufzuzeichuen, suche ich heute dieses Büchlein aus seinem Versteck hervor, sondern um, wenn irgend möglich noch vor dem in diesem Sommer (18. Juli) fallenden Eintritt des fünfunnzwanzigsten Jahrestages meiner Doktorpromotion und somit meines Abschieds vom akademischen Leben, diese flüchtigen Erinnerungen an Personen und Zustände aus jener nun schon so weit hinter mir zurückliegenden Jugendperiode zu beschließen.