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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 156

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 156 (sequence 24)
Language
German
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IRI
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156 um sich und sein schönes Talent zu fördern. Er starb als Prediger zu Posen nach kurzer anerkannter Wirksamkeit. In einem andern Kreise der Studiengenossen wurde neben dem ernsten Dienst der Wissenschaften, auch der leichteren poetischen Muse ein blütengeschmückter Altar geweiht. Auch diesem Kultus blieb ich nicht fremd. Um den jugendfrischen, munter anregenden Privatdozenten Gustav Freytag, der altdeutsche Grammatik las und zuweilen auch Vorträge über die neueste Literatur hielt, hatte sich eine zahlreiche Brut unausgewachsener Poeten versammelt, die ihm, da er selbst angehender Dichter war (er hatte eben erst seinen „Kunz von der Rosen" geschrieben) mit schamhaften Erröten die heimlichen Erstgeburten ihrer lyrischen Muse an das Herz zu legen. Der herzliche Studentenfreund, dem der Schalk ein wenig im Nacken saß, gab sich auch willig zum Opferlamm her, und stand bei einem sogenannten „Studenten-Musenalmanach"*) Gevatter, der in einem dieser Jahre unter seiner Redaktion erschien. Erst rezensierte er die unschuldigen, kaum flügge gewordenen Vögelchen, die unter seinem schirmenden Fittich in die Welt ausfliegen sollten, rupfte hier und da ein paar Federchen aus oder schnitt eine häßliche Kralle weg; dann pferchte er sie allesamt in einen niedlichen Käsig und nun hieß es: Vogel flieg aus! Ach was ist aus dieser großen schlesischen Dichterschule geworden! In die Winde zerstreut, — ich glaube unter Allen war kein einziges dauerhaftes poetisches Talent, und doch war ja Manches so anmutig und vielversprechend, daß ein so feiner Kopf wie Freytag, sich nicht bedachte, es auf den freilich damals nicht sehr wählerischen Markt zu bringen. Aber es war immerhin ein anmutiges Geistesspiel, um das, selbst unfruchtbare Versuche in den verschiedenen Gattungen der poetischen Produktion, wenn sie nur nicht auf Kosten der ernsten Studien bis zur Kraft- und Zeitverschwendung betrieben wurden, ein ganz unverwerfliches Mittel der geistigen Bildungsarbeit in sich schließen, weil sie vorzugsweise das Formtalent kultivieren, und die, auch dem Fachgelehrten und dem Geschäftsmanne *) lieber den Studenten - Musenalmanach vgl. G. Freytag, ges. Werke, Bd. I, 2. Aufl., Erinnerungen aus meinem Leben, S. 104.

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