Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 21)
- Language
- German
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153 ersetzt. Und der Tag blieb nicht aus, wo das innerlich schwächliche Gebilde von seinem hohen Fußgestell in den Staub herunterfiel, um spurlos in die Winde zu zerstieben. Die große Rolle die Lassalle gespielt, legt es mir nahe, da ich seiner in diesem Zusammenhang meiner Erinnerungen einmal gedenken mußte, nun auch einige tatsächliche Züge hinzuzufügen, die für seine Charakteristik gewiß von Interesse sind. Als wir seine Bekanntschaft machten, im Anfänge der Vierziger Jahre, mochte er etwa 17 oder 18 Jahre alt sein. Er war kurz vorher aus der Handelsschule in Leipzig zurückgekehrt, wo er die früher beabsichtigte kaufmännische Laufbahn plötzlich abgebrochen hatte, um sich den wissenschaftlichen Studien zuzuwenden. Damals bereitete er sich für die Abgangsprüfung zur Universität vor, welche er auf demselben Gymnasium oblegen wollte, wo ich sie bestanden hatte. Er entwickelte einen eisernen Fleiß, um seine lückenhaften Schulkenntnisse zu erweitern. Er ging oft tagelang nicht aus, und empfing uns in seinem eleganten Sammetschlasrock unter einem wüsten Haufen von Büchern und Papieren. Schon damals beschränkte er sich nicht auf das Nächstliegende, sondern trieb gleichzeitig mit uns litterarischphilosophische Allotria. Da er über Geld in Fülle verfügen konnte, so schasste er Alles an, was wir nur wollten, an Zeitschriften, Büchern und Hilfsmitteln. Im Hause seiner Eltern, bei denen er natürlich eine abgesonderte Studierstube bewohnte, wurde er wie ein Prinz gehalten. Er war der einzige Sohn; die Schwester . . . hatte kurz vorher geheiratet. Der Vater, der im Unterstock des Hauses ein großes Manufakturwarengeschäft besaß und leitete, war ein cholerischer, leicht aufbrausender, polternder Hitzkopf, ich glaube ohne merkliche Gemütseigenschasten, eher zur Härte und egoistischer Abgeschlossenheit geneigt. Die Mutter, eine gutmütige schwache Frau, die, ich weiß nicht ob infolge ihrer Schwerhörigkeit oder wirklichen Geistesbeschränktheit, den Eindruck der Stupidität machte, und dem Aeußerlichen und Nichtigen völlig hingegeben war. Aus diesem Gegensatz der elterlichen Charaktere konnte sich die selbstwillige, schroffe Natur des Knaben kaum harmonisch entwickeln. Gehätschelt wurde er von beiden Seiten. Dem Familienleben fehlte der erziehliche