Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 15)
- Language
- German
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147 Punkt in einem von Dr. A. Geiger gegründeten Organ*) hatte. Geiger**) war kurz vorher (1840) nach Breslau als Rabbinatsassessor und Prediger Berufen, und stand in der Blüte seiner jugendlichen Kraft als wissenschaftlicher Forscher, praktischer Reformator in Kultus und Leben, wie als Kanzelredner. Die Bedeutung der in seiner Persönlichkeit auf so vielfältige Weise repräsentierten wissenschaftlichen Theologie, als einer neuen und für die Umgestaltung der Zeitanschauungen innerhalb des Judentums, wie über dasselbe wahrhaft epochemachenden Erscheinung des modernen Geisteslebens, mußte in den Augen eines für den Fortschritt der Glaubensgenossen auf dem politischen, kirchlichen und sozialen, Boden begeisterten Jünglings sich um so höher steigern, wenn es ihm, wie mir, bald vergönnt war, durch persönliche Bekanntschaft und vertrautem Umgang mit jenem Koryphäen der Reform täglich sich erneuernde, tiefe Eindrücke in sich aufzunehmen. Ich werde von diesem für mich besonders einflußreichen Verhältnis zum Geiger'schen Kreise bald des Nähern zu berichten haben, und berühre hier nur erzühlungsweise, daß ich schon als Primaner durch einen mir freundlich gesinnten Gönner, der sich besonders durch die geistige Förderung vieler strebsamer junger Männer hohe Verdienste erworben, bei Geiger eingeführt worden war und daß dieser nach einem kurzen Kolloquium über meine Kenntnisse im Hebräisch-Rabbinischen mich nicht für unvorbereitet erachtete, die theologische Laufbahn einzuschlagen. Jener Vermittler meiner Annäherung im die Theologie (aus der sich zwar keine Ehe für das Leben, aber doch ein dauerndes herzliches Verhältnis zu derselben bis auf den heutigen Tag entspannen), war Salomou Nissen, ein Mann, der ohne dem Berufe nach dem Gelehrtenstande anzugehören, durch sein tiefes und umfassendes Wissen auf dem ganzen weiten und verzweigten Gebiet des jüdischen Schrifttums, von den Anfängen des Talmuds bis zur neuesten Tagesliteratur, wie *) Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie, von 1835 bis 1847, 6 Bände. **) A. Geigers gesammelte Schriften, herausgegeben von Ludw. Geiger, V, S. 37. 10*