Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 13)
- Language
- German
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145 Geistesanlage anheimgestellt bleiben muß. Freilich müßten die Lehrvorträge auch danach eingerichtet sein. Statt des wüsten, bald knappen, bald überreichen Aufschüttens der Körner, mit samt dem ausgedroschenen Stroh in die gemeinsame Krippe, welche die jungen Füllen zuerst gedankenlos gierig leeren, bald aber mit Ueberdruß stehen lassen, sollten dem Wissensjünger der Anbau und die Fruchtbarmachung seines künftigen Geistesackers gelehrt, sollten ihm die Quellen und Adern in den verborgenen Gängen gezeigt, und die Methode, wie hier aus der reichen Fülle geschöpft, dort der kärgliche, versiegende Lauf geleitet und durch Zuflüsse gestärkt werden müsse, am lebendigen Beispiel und Muster offenbart werden. Nicht das Resultat, das auch in Büchern zu finden ist, sondern die Arbeit des Studiums muß gelehrt werden, wie man dem jungen Bergmann und Geologen auch nicht bloß das ausgebrochene Gestein zu Tage betrachten und kennen, sondern in den dunklen Tiefen, in mühevollen Gängen und Schächten suchen und finden lehrt. So auf einem Gebiete des Wissens mit der Einsicht über die Grundbedingungen eines eignen dereinstigen geistigen Erwerbs ausgestattet, und an sein Fach durch das erweckte Interesse eignen Forschens gefesselt, mag dem Strebenden alsdann auch der Wanderflug über andere fremde Gebiete der Erkenntnis gestattet sein, damit er aus einer hohen Perspektive das Allgemeine, und den inner» Zusammenhang alles Einzelnen im großen Organismus der Ideenwelt erkenne. Doch von dieser unwillkürlichen Betrachtung will ich zu dem Berichte der Tatsachen übergehen. Vier Semester verbrachte ich auf der hiesigen Universität. Wenn ich heute die Summe ziehe, von dem was ich mir da an Wissen und Können erworben, so kann ich es nur auf ein bescheidenes Maß ansetzen. Auf keinem Gebiete habe -ich meine positiven Kenntnisse da irgend in erheblichem Umfange bereichert, dagegen durch das Jrrlichterieren auf vielen Gebieten eine Menge von Anregungen in mich ausgenommen und meinen Jdeenkreis erweitert, der schon von der Schule herdurch eme prädelektive Beschäftigung mit den Erzeugnissen der deutschen und französischen Litteratur, hauptsächlich der neueren, aus den Grenzen herkömmlicher Anschauungen w