Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 12)
- Language
- German
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144 selbstverständlich mein Eintritt in die philosophische Fakultät bedingt war. Es war von jeher ein schöngeistiges Axiom, die Empferchung des jungen Studenten in den engen Fakultätsstall als das größte Hindernis einer freien und fröhlichen Entfaltung der angeborenen Geistesschwingen möglichst zu perhorreszieren. Sicherlich teilte auch ich damals diese Auffassung und wählte mir daher vor Allem die schöne grüne Weide der zwanglosen Philosophie- und Litteraturstudien, auf welcher ich wie ein Schmetterling fessellos von Blume zu Blume flattern konnte. Ich möchte kein allgemeines Urteil abgeben über die schwierige Frage, wie ein junger Mensch, der auf eine tiefere wissenschaftliche Ausbildung sein Absehen richtet, sich auf der Universität zu verhalten hat. Für mich selbst aber will ich die Erfahrung geltend machen, daß es mir heilsam gewesen wäre, wenn mein Pegasus, in ein sanftes Joch gelegt, zuerst ein wenig zum Pflügen angehalten worden wäre, statt auf dem weiten Wiesenplan in kecken Sprüngen herumzutummeln. Zweifellos erhält der Geist bei diesem Kreuz- und Querfahren durch alle Gebiete der Erkenntnis eine Reihe von wohltätigen, oft recht fruchtbaren Anregungen, der Gesichtskreis erweitert sich, wie auf einer Weltreise, auf der man „vieler Menschen Länder und Städte" erblickt, sammeln sich bleibende Eindrücke und Erfahrungen, die später mannigfach verwettet werden. Aber Eines lernt sich doch nur bei dauernder Ansiedelung auf einem, sei es auch nur eng begrenzten Studienfelde — die ernste Arbeit, die auf augenblicklichen Lohn verzichtende Mühe des Forschens und Denkens, die den Geist erst heimisch macht in dem Umkreis seiner künftigen Tätigkeit. Mir scheint es deshalb, daß es empfehlenswerter ist, dem künftigen Gelehrten zuerst, gleichsam als Uebergang, von dem Lernzwang der Schule, zur vollkommen freien wissenschaftlichen Selbsttätigkeit, die Freiheit nur in der Form des Lernens, nicht aber zugleich schon in dem Stoff des zu Lernenden einzuräumen. Das „Was" sollte, je nach der im Allgemeinen getroffenen Wahl des Berufsfaches, ohne welche es doch mit seltenen Ausnahmen nicht abgeht, fürs Erste der freien Willkür nicht ganz überlassen bleiben, wogegen allerdings das „Wie", der einzelnen Individualität, je nach ihrer