Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Jahren bestand er mit günstigem Erfolge die Abgangsprüfung und gewann dadurch die Reise für das akademische Studium. Seine Erlebnisse und Eindrücke während dieser Zeit schildern die nachfolgenden Blätter, die er als Erinnerungen in den Jahren 1869 und 1871 in der lichtvollen, anschaulichen und fesselnden Weise, die für seinen Stil charakteristisch ist, niedergeschrieben hat. Ein günstiges Geschick hat ihn in nahe Beziehungen zu zahlreichen bedeutenden Männern gebracht, zu Gustav Freytag, Abraham Geiger, Ferdinand Lassalle, Wilhelm Freund, Leopold Zunz, Aron Bernstein, Siegmund Stern, Moritz Hartmann, Ignaz Kur an da u. A., die von hervorragendem Einfluß auf ihre Zeitgenossen und die Nachlebenden geblieben sind. Seine feinen Beobachtungen, seine lebhaften Schilderungen, seine temperamentvollen Urteile über bekannte Menschen und Dinge bilden eine interessante Ergänzung zu der sehr bewegten Geschichte jener Tage. Dabei erweckt er unwillkürlich in dem Leser den sympathischen Eindruck eines redlichen, nach Wahrheit strebenden Menschen, der mit allen Kräften seiner Seele an den religiösen und politischen Idealen seiner Zeit teilnahm. Nicht nur mit dem juristischen Doktorhut sondern auch mit gründlichen wissenschaftlichen Kenntnissen geschmückt, kehrte er von Heidelberg nach seiner zweiten Vaterstadt, nach Breslau, zurück*). Hier fand er schnell eine gerechte Würdigung und wohlverdiente Anerkennung seiner vielseitigen Fähigkeiten und seines lauteren Charakters. Als fleißiger Mitarbeiter an den großen Breslauer Zeitungen entfaltete er eine einflußreiche publizistische Tätigkeit und gewann Namen und Ansehen im öffentlichen Leben der Stadt und des Staates. Der Kommune hat er als Hülfsarbeiter im Magistrat und als Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung, der Oberschlesischen Eisenbahn als General- Sekretär, der Posen-Kreuzburger Eisenbahn als Vorsitzender des Aufsichtsrats und zahlreichen gemeinnützigen Vereinen *) Für die folgende Darstellung sind die Nachrufe in den Breslauer Zeitungen und besonders der Nekrolog in Nr. 16 der „Mitteilungen der DDGB" die Quelle.