Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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134 dem er übertragen wurde, ein unsterblicher Funke von Poesie lebte und waltete, der selbst durch die unbeholfene Form der damaligen rohen Lehrmethode mit göttlicher Gewalt aufblitzte und die Einbildungskraft der Kinder mit Bildern voll Hoheit und einfacher Größe, ihr Herz mit rührenden und veredelnden Empfindungen erfüllte und solcher Gestalt eine von dem Lehrer nicht beabsichtigte geistige Nahrung vermittelte, an welcher der bessere Teil der kindlichen Natur sich wie eine zum Licht strebende Blume mitten aus ödem, wüsten Gestrüpp zu freudigem Wachstum erhob. Im übrigen waren die Eltern des Knaben nicht durchaus bildungsfeindlich. Sie ließen ihm am Unterricht eines „Melammed" teilnehmen, der es damals in dieser Umgegend zum ersten Mal wagte, den Pentateuch mit Moses Mendelssohns Übersetzung durchzunehmen. „Die hochdeutsche Schriftsprache," erzählt Honigmann selber*), „war mir und meinen Mitschülern noch völlig fremd. Aber ihre Laute und Ausdrücke, ihr Wortschatz und ihre Redewendungen blieben, unterstützt von unserer Kenntnis des Urtextes, im Gedächtnis haften, und bald gewannen wir ein instinktives Gefühl von der Kraft und Majestät und zugleich von der Lieblichkeit und Innigkeit unserer neuen Muttersprache." Selbstverständlich wurde am fleißigsten und eifrigsten der Unterricht in den alten Bildungselementen betrieben, Da aber der Knabe mit zurückgelegtem dreizehnten Lebensjahr noch nicht den hochgespannten Anforderungen entsprach, die der weithin berühmte Rabbiner R. Joseph Samuel Landau, für die Teilnahme an seinen Talmud- Vorlesungen beanspruchte, entschlossen sich die Eltern trotz des Kopfschüttelns mancher Verwandten, die ganz und gar in den alten Anschauungeu wurzelten, ihn zur Fortsetzung und Vollendung seiner Bildung nach Breslau gehen szn lassen. Hier trat er in die damals blühende Kgl. Wilhelmsschule, eine Gründung aus der Mendelssohn'schen Zeit, ein. In zwei Jahren legte er die obersten beiden Klassen der Anstalt zurück und ging dann, nachdem er sich einige Wochen im Lateinischen und Griechischen vorbereitet hatte, auf das Gymnasium über. Im Alter von zwanzig *) A. a. O. S. 31 f.