Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 19)
- Language
- German
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128 sogenannten Bräutigam der Thora auserwählt. Als solcher Hatte er die Beamten und die Diener zu beschenken, für die Bekleidung der Thorarollen zu sorgen, Wachslichter für die Illumination zu spenden, Oel für die großen Hängeleuchter, die Ehrenfunktionen zu verteilen — und Gonzago hat genau alles verzeichnet, was dabei ausgegeben wurde, und wen er mit den heiligen Ehrenvorrichtungen bedacht habe. Gonzago ergeht sich hierbei in Details, bei denen er sicher nicht geahnt hat, daß seine Niederschrift einst nach 185 Jahren das Material zu einem Vortrage in dieser Versammlung bieten werde. Er schildert weitläufig, wie in den Zimmern die 4 silbernen Leuchter des Sabbattages Licht und Glanz verbreiteten, wie er, an einem Sessel mit Damast bekleidet stehend, die Gäste empfing, für welche dreisitzige Bänke aufgestellt waren. Seine Frau, die in der Küche sehr viel zu inn hatte, empfing dann ihre Gäste in einem anderen Gemache. Das Menu für die Speisekarte, nicht wie üblich in französischer Sprache, aber, wie vielleicht nicht zum zweiten Male, in hebräischer Sprache dargestellt, war sehr reichhaltig ausgestattet. Gonzago unterläßt es nicht, hierbei zu bemerken, daß er bereits am Nachmittage von heftigem Kopfweh befallen wurde, das ihn auch am folgenden Tage, am sogenannten Bereschit-Sabbat, nicht verließ, sodaß er das weitläufige Synagogen-Ritual zu seinen Ehren nicht mit der erforderlichen Aufmerksamkeit verfolgen konnte. Er wünscht daher am Schlüsse, noch oft solche Festlichkeiten, aber ohne Kopfschmerz begehen zu können. Gonzago hat in seinen Memoiren noch vieles andere mitgeteilt, was für die Zeitgeschichte des Interessanten genug bietet. Aber ich muß davon Abstand nehmen, in den Rahmen des gegenwärtigen Vortrages Einzelheiten zu bringen, von denen Gonzago aus seiner Zeit berichtet, ohne daß sie mit seinem Lebensgange irgendwie in Beziehung stehen. Nur in einem Falle möchte ich eine Ausnahme machen. Er erzählt nämlich von dem am 19. März 1721 um 12% Uhr, am Mittwoch — am Donnerstag war die Hälfte der Quaresima verflossen — erfolgten Tode des Papstes Clemens XI. Dieser starb an einer Lungenentzündung und schon am zweiten