Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 20)
- Language
- German
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129 Tage seiner Krankheit ereilte ihn der Tod, nachdem er zwei Jahre und vier Monate regiert hatte. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend wurde seine Leiche aus dem Schlosse am Monte Cavallo nach der Krypta gebracht. Bei seinem Ableben waren anwesend der Kardinal, welcher mit der Würde eines Camerlengo, d. h. eines Kämmerers bekleidet ist, es war sein Neffe, der Kardinal Albani, ferner der Sekretär und der Stadt-Notar mit Zeugen. Der Kardinal rief den toten Papst dreimal beim Namen und da keine Antwort darauf erfolgte, wurde der Tod konstatiert und sofort wurden alle Eingänge zum Kastell geschlossen. Der Camerlengo eilte nach dem Campidoglio, das ist das Capitol, und ordnete an, daß sofort das Geläute der Glocken beginne, welches dem Volke den Tod des Papstes anzeigte. In der Krypta verblieb die Leiche 3 Tage und 3 Nächte, in der fürstlichen Kleidung, wie er sie beim Leben trug. Geistliche niederknieend und Gebete hersagend, umgaben die Leiche, von der ein Fuß zwischen den Gitterstäben hinausragte, um allen Gläubigen die Gelegenheit zu bieten, den Fuß küssen zu können. In der Nacht zum Montag wurde die Leiche beerdigt; dann hielten die Kardinäle 7 Tage hindurch Trauergottesdienst ab. Am 31. März begannen die Sitzungen im Conclave zur Neuwahl eines Papstes, nachdem der Conclave-Marschall mit der Trompete das Signal gegeben hatte, daß ein jeder Fremder sich entferne. Auf seine laute Aufforderung: ״Extra omnes" verließen alle Nichtberechtigten das Bereich des Conclaves. Hierauf wurde mit der Laterne herumgesucht, daß kein Fremder sich eingeschlichen habe. So wurde festgestellt, daß keine Unbefugten innerhalb des Bereichs des Conclaves verblieben waren. Alle Verbindungen mit der Außenwelt wurden geschlossen. Für jeden Kardinal wurden Bett und Tisch bereit gestellt, da Keiner das Conclave verlassen darf, bis ein Papst gewählt ist. Die Wahl gilt als vollzogen, wenn 2/3 der 70 Kardinale für einen Kandidaten gestimmt, somit 47 Stimmen auf ihn sich vereinigt haben. Der Gewählte wird auf den päpstlichen Stuhl gesetzt und wird mit den pontefikalischen Gewändern bekleidet. Da man vorher nicht wissen konnte, von welcher Statur der zu wählende Papst sein werde, so wurden dreierlei s