Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 18)
- Language
- German
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127 Bearbeitung und hatte, nachdem eine der Abhandlungen allgemeinen Beifall gefunden, noch ein mündliches Examen zu bestehen. Er bestand dasselbe so gut, daß ihm hierfür öffentliches Lob gespendet wurde, während sein christlicher Mitbewerber zu gleicher Zeit als nicht bestanden zurückgewiesen wurde. Gonzago wurde hierauf als approbatus est öffentlich proklamiert. Der Monsignore unterhielt sich noch mit dem anwesenden Rabbiner Tranquillo Corkos, der selbst ein Arzt war und lobte vor ihm Gonzago, der zu der Hoffnung berechtige, ein verständiger Arzt zu werden. Jetzt konnte Dr. Gonzago seine Zeit so einteilen, daß er neben seinem Lehramte in der Talmud Thora und seinem Berufe als Lektor in der Synagoge am Abende, auch der ärztlichen Praxis sich befleißigen durfte. Aber erst einige Jahre später sollte er in Wirklichkeit die Früchte seines immensen Fleißes und seiner alles überwindenden Ausdauer ganz genießen. Am Ausgang des Neujahrsfestes 1725 wurde in der Versammlung der Consultadarübergeklagt,daßderbisherigeArmenarztdie Pflichten seines Berufes vernachlässige, daß es daher an der Zeit wäre, nachdem ein tüchtiger jüdischer Arzt vorhanden, demselben das Amt eines Armenarztes in der Gemeinde zu übertragen. Gonzago wurde hierzu berufen und für ihn zuerst ein Jahresgehalt von 35 Scudi festgestellt, während der christliche Assistent, der nicht mit einem Male entlassen werden sollte, noch das eine Jahr 15 Scudi erhalten, dann aber Gonzago allein mit einem Jahresgehalte von 50 Scudi fungieren sollte. Nebenher sollten ihm die Honorare von 25 Scudi von der Talmud Thora und 8 Scudi als Lektor verbleiben. Er konnte nun daran denken, einen eigenen Hausstand zu gründen. Er verlobte sich mit der Schwester seines Freundes, während dieser selbst sich mit der Nichte Gonzago's verlobte. Feierlichst wurde das Verlöbnis vom Rabbiner Corkos proklamiert und hierbei vor dem Notar die Summe der Mitgift festgesetzt. Nachdem diese in verschiedenen Raten ausbezahlt war, wurde die Hochzeit gefeiert und am Sonnabend darauf in dem Gotteshause nach römischem Ritus mit verschiedenen Spenden für fromme und heilige Zwecke der versammelten Gemeinde mitgeteilt. Am folgenden Feste der Gesetzesfreude wurde Dottore׳ Gonzago zum