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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 126

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 126 (sequence 17)
Language
German
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— 126 — Nach den Festtagen machte der neue Doktor noch jedem der Aerzte seine Visite, um den Dank zu wiederholen, wobei er sehr wohlwollend ausgenommen wurde, jedoch mußte er vom Monsignore hören, daß die Tücher und die Handschuhe nicht von besonders guter Qualität gewesen wären. Diesen Vorwurf mußte er auch von vr. Nathusius hören, der aus Opposition gegen Dr. Senebaldus nicht für die Aufnahme des Gonzago gestimmt hatte, und der zugleich seinen Aerger darüber ausließ, daß während der Installierung und während der Abstimmung die jüdischen Zuschauer im Zimmer zurückgeblieben waren. Aber alle anderen Aerzte empfingen ihn mit dem größten Wohlwollen und lobten seinen Eifer wie seine Fähigkeiten. Er fing jetzt an, neben seinem Lehramte in der Talmud Thora und seinen religiösen Vorträgen an einigen Abenden in der Woche den Weg zur ärztlichen Praxis vorzubereiten. Einige christliche Aerzte waren bereit, ihn in die Hospitäler einzuführen, wo sie ad oculos demonstrierten und ihm die Behandlungsweise erklärten. Sein eigentlicher Lehrer stellte ihn als seinen Assistenten an. Da dieser die größte Praxis von allen Aerzten hatte, gab es auch für Gonzago sehr viel zu tun, sodaß ihm keine Zeit zur Ruhe übrig blieb und er kaum Zeit zum Einnehmen der Mahlzeit fand. Aber trotzdem fühlte er sich sehr wohl; ihn erfüllte nur der Wunsch, immer tiefer in den Schacht der Wissenschaft einzudringen. In einem speziellen Falle, für den sein christlicher Lehrer nach dem Ghetto geholt wurde, hatte er die Freude, daß seine Ansicht über die anzuwendende Kur von seinem Lehrer akzeptiert wurde. Gonzago sammelte immer mehr Erfahrungen, sodaß er endlich zu der Ueberzeugung kam, er wäre reif, sein medizinisches Haupt-Exämen abzulegen. Seine Lehrer an der Sapienza bestärkten ihn hierin, nachdem er die Vorlesungen derselben zwei Jahre hindurch gehört und verarbeitet hatte. Allerdings konnte er erst nach eingeholter Genehmigung seitens des Papstes zum Examen zugelassen Werden. Aber dieses Mal waren ihm die Wege bereits geebneter, sodaß die Schwierigkeiten hierbei geringer waren, und er erlangte nach Beseitigung verschiedener Formalitäten die Erlaubnis Seiner Heiligkeit, das ärztliche Examen ablegen Zu dürfen. Er erhielt mehrere Themata zur schriftlichen

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