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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 124

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 124 (sequence 15)
Language
German
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124 auch diese Frage gelöst und für die Promotion konnte jetzt der Tag festgestellt werden, sie sollte am Mittwoch gegen 9V2 Uhr stattfinden,׳ es war dies der Mittelfeiertag vom Sukkot. Gonzago vertraute dies nur seinen nächsten Freunden an, aber diese rieten ihm, den Rabbinern und Vorstehern hiervon Mitteilung zu machen. Sie begleiteten Gonzago zum Tempel, um dort den Rabbiner Corkos zu erwarten und ihm die Anzeige zu machen, zugleich ihn zu bitten, zu der Feierlichkeit erscheinen zu wollen. Dann lud er auch alle anderen jüdischen Würdenträger ein. Früh am Morgen wiederholte er, nachdem er gebetet hatte, die Thesen, welche er vorzutragen hatte. Dann ging er zum Haarkräusler, der ihm die übliche Frisur machte; er legte hierauf ein langes Festgewand an und verrichtete ein inbrünstiges Dankgebet zu Gott, das er mit den Worten Jesaias' begann: ״Wonniglich freue ich mich des Herrn; es jauchzst meine Seele meinem Gotte, denn er hat mir angelegt Gewänder des Sieges, den Mantel des Heiles mir angetan, wie ein Bräutigam anlegt den herrlichen Schmuck, und wie eine Braut ihr Geschmeide." Inzwischen versammelte sich eine große Menge von Juden und Christen im Auditorium; dann traten die Aerzte ein, es eilte auch der alte christliche Lehrer herbei. Gonzago trug die von ihm ausgestellten Thesen vor und erörterte sie, worauf der jüngste aus der Versammlung der Aerzte opponierte, von Gonzago aber widerlegt wurde. Letzterer mußte sich dann aus dem Saale entfernen, die Urne kursierte für die Abstimmung und das Resultat war die einstimmig erfolgte Approbation. Die Tür wurde geöffnet und laut erhob sich die Stimme: Von allen genehmigt, niemand hat widersprochen! Alles Volk, das inzwischen wieder zurück in das Zimmer eingetreten war, rief lebhaft: Vivat! Vivat! Der Protomedicus redete hierauf den Promotore in lateinischer Sprache an, die lam-ea dottorale zu verleihen, zugleich mit den Diplomen und dem Barett, worauf dann die Ceremonie mit den geschlossenen Büchern stattfand. Diese wurden dem Kandidaten eingehändigt, daß er sie öffne und sofort aus dem Stegreif eine Rede halte und damit dokumentiere, daß er nunmehr reif genug sei, um selbständig zu denken und sich nicht auf

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