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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 123

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 123 (sequence 14)
Language
German
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123 Monsignore richtete, in welchem er ihm mitteilte, wie sehr gut der Jude Gonzago bei ihm im medizinischen Examen bestanden. Dann ging er noch zu anderen Examinatoren, die in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen prüften und ihn überall für gut befanden. Einer derselben äußerte sogar, er wünschte, daß alle Examinanden so bestehen möchten: Nun war aber der morgige Tag, an welchem, Gonzago an feierlichem Gewände vor .dem versammelten Collegium erscheinen sollte, der Neujahrstag, und besorgt hatte er schon vorher mit seinem christlichen Lehrer hierüber gesprochen. Dieser aber beruhigte ihn; da dieser Termin unaufschiebbar sei, sollte er zuerst den Gottesdienst bis zur festgesetzten Stunde besuchen, und dann sich unbemerkt entfernen. So tat er es; er verließ um 9 Uhr nach beendigtem Schacharit- Gebete das Gotteshaus und begab sich zum Collegium,, traf aber nur den Monsignore an, vor dem er sich ehrfurchtsvoll verbeugte und sich bei ihm meldete. Dieser hieß ihn, einstweilen abzutreten, um ihn bald darauf rufen zu lassen, damit er den anwesenden Herren stzine Reverenz bezeige und den Dank ausspreche für alles das, was ein Jeder aus dem Collegium ihm erwiesen. Dann prüfte ihn der Monsignore noch in der Psychologie und die anderen Herren hielten mit ihm ein Colloquium über verschiedene Themata, worüber sich alle sehr befriedigt aussprachen. Schnell konnte er dann ins Gotteshaus zurückeilen, um mit dem Propheten zu sprechen: Wann werde ich das Wunder sehen, den Schofarton hören? Und siehe, er traf noch zur rechten Zeit ein, um die Schofartöne des Mussaf-Gebetes zu hören. In der folgenden Woche erhielt Gonzago endlich das Darlehen von 60 Scudi, so daß er die Prüfungsgebühren entrichten konnte. Die weiteren Einzel-Prüfungen bestand er vortrefflich und so konnte zum Abschluß derselben die Promotion erfolgen. Da erhob sich ein Streit darüber, wo diese stattfinden solle. In dem Hause des Einen konnte es nicht sein, weil der Andere mit demselben entzweit war und daher dessen Haus mied. In der Sapienza konnte es nicht sein, weil die Aula derselben für die Promotion eines Juden nicht eingeräumt werden könne. Aber in einem kleinen Zimmer der Sapienza durfte sie stattfinden. So war nun

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