Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 13)
- Language
- German
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122 galt die Sorge, ein Depot von 60 Scudi zu ermöglichen. Er nahm zum zweiten Male seine Zuflucht zum Rabbiner Corkos, der ihm versprach, für eine Mithülfe seitens der Talmud Thora und anderer Vereine tätig zu sein. Inzwischen wäre für Gonzago nach einer anderen Richtung eine günstige Wendung eingetreten, aber am Ende mißlang sie doch! Es wurden nämlich für die religiösen Vorträge, die bis dahin der Rabbiner Js. Castelnuovo gehalten hatte, mehrere Lektoren angestellt. Verwandte und Freunde drangen in Gonzagodaß er sich an maßgebende Personen wende, die ihm zu einer Stelle hierbei verhelfen mögen. Doch sein bescheidener Charakter hielt ihn zurück, und er sagte sich und den Anderen: Wer nach Ruhm jagt,, von dem entfernt sich der Ruhnu Aber er fand in der Consulta Anhänger, die auf die Reden hinwiesen, welche Gonzago bereits mit großem Beifall gehalten hatte; doch einstweilen unterlag er dem Einwande, daß er unverheiratet sei und daher ein solches Amt nicht bekleiden könne. War somit diese Sache für dieses Mal mißlungen, so sollte er doch endlich von der Sorge für die Herbeischaffung, des Deposito von 60 Scudi befreit werden. Es war aber auch bereits die höchste Zeit, denn schon drängte der Protomedikus auf die Hinterlegung des Depositums und der arme Jüngling voller Angst und Sorge war der Verzweiflung nahe, denn die Kreuz- und Quergänge, die auch in den jüdischen Kreisen für diese Angelegenheit zu machen warenhätten ihn ganz aufgerieben, wenn er nicht im inbrünstigen Gebete zu Gott Mut und Vertrauen immer von neuem gewonnen hätte. Aber noch bevor alle die Formalitäten erledigt waren, welche das Darlehen von 60 Scudi aus den Vereinskassen nötig machte, trat eine günstigere Wendung in der Ablegung der Examina ein. Er durfte nämlich mit diesen schon beginnen, nachdem er die Versicherung gegeben hatte, in dernächstfolgendenWochedas Depositum einzuhändigen. Er war aber gezwungen, am Tage vor dem jüdischen Neujahr seine Examina abzulegen. Nachmittag um 16 Uhr, das ist in "der zehnten Stunde nach unserer Tageseinteilung, fand er freundliche Aufnahme beim vr. Alexander Posculi, der ihm verschiedene medizinische Fragen vorlegte, deren Beant- Wortung ihn so befriedigten, daß er sofort ein Billet an den