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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 121

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 121 (sequence 12)
Language
German
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121 zur Promotion zugelassen hatte, so daß kein Bedürfnis weiter vorliege und zweitens, damit keine feste Regel für die Zukunft damit geschaffen werde. Doch aber werde er sich der Majorität, wenn sie sich als günstig für das Gesuch Herausstellen sollte, nicht widersetzeu. Sein christlicher Lehrer aber beruhigte den sorgenvollen Jüngling und offenbarte ihm, daß die Erklärung des Dr. Nathusius nur mit der Animosität Zusammenhänge, die dieser gegen den ProtoMedicus und einige andere günstig gesinnte Aerzte hege; trotzdem aber hoffe er auf einen günstigen Ausgang. Doch das Loos entschied anders; es fanden sich in der Büchse von 11 Stimmenden 6 schwarze und nur 5 weiße Kugeln. Nun gab es noch einen Rat: Es mußte der allgebietende Monsignore Lanziesi gewonnen werden, daß eine nochmalige Abstimmung vorgenommen werde. Da der Protomedicus selbst diesen Rat gegeben hatte, so mußten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den Monsignore zu gewinnen, da auch in anderen Fällen, wo es sich um christliche arme Doktoranden gehandelt hatte, mehrere Abstimmungen wiederholt wurden. In dieser höchsten Not trat der berühmte vielseitig gebildete Rabbiner Tranquillo Corkos helfend ein. Ihm hatte Gonzago bereits vorher sein ganzes Herz offenbart, und der Rabbiner erbot sich, den angstvoll einherschleichenden Jüngling zu begleiten und für ihn zu sprechen. So begaben sich beide nach derSapienza, wo bereits der Monsignore mit einigen Aerzten anwesend waren; um ein Concilium abzuhalten. Der in großem Ansehen stehende Corkos wandte nun seine ganze Beredsamkeit an, um die bisherigen Kämpfe dieses Jünglings zu schildern, dessen Lebensschicksal jetzt für immer entschieden werden sollte. Gonzago hatte sich mit Bewilligung des Rabbiners entfernt und im inbrünstigen Gebete zu Gott seinen Mut gehoben und sein Vertrayen gestärkt. Kaum hatte er von seinem Platze aus bemerkt, daß die Aerzte aus dem Concil bereits weggegangen waren, da eilte er zu dem ihm geneigten Protomedicus Senebaldus, der ihm alsbald mitteilte, daß man ihm das eine Drittel des Honorars erlasse, dagegen aber müsse er, um es ihm nicht so leicht zu machen, 15 verschiedene Examina ablegen und für ein jedes derselben 4 Scudi erlegen, anders ließe es sich nicht machen. Nun

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