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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 120

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 120 (sequence 11)
Language
German
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120 Breite erzählt hierbei Gonzago, welche Wege und Mittel er versuchen mußte, um nur zu einem Anfang hierzu kommen zu können. Er mußte zuvörderst ein Memorial ausarbeiten und dieses durch Vermittelung eines Arztes, an den ihn sein Lehrer empfohlen hatte, und der mit einem Cardinal befreundet war, in die Hände des letzteren gelangen lassen, der es dem Papste vorlegte. Dieser übergab es dem Cardinal Camerlengo, das heißt dem Kämmerer. Nun galt es, diesen geneigt zu stimmen, wozu wieder sein Lehrer half, indem er ihm ein Billet an den Hausarzt des Cardinals gab. Dieser nahm ihn freundlich auf und hieß ihn nach einigen Tagen wiederkommen. Es mußten noch verschiedene Kreuz- und Quergänge gemacht werden, hier und dort gehört und gehorcht werden — endlich war die päpstliche Erlaubnis da! Jetzt mußte eine Petition an das Collegium der Aerzte gerichtet werden, damit das zu zahlende Honorar auf 60 Scudi, nach unserem Gelde 250 Mark, ermäßigt werde. Zu diesem Behufe mußte der arme, in fortwährender Angst und Aufregung gleichsam zwischen Himmel und Erde schwebende Gonzago einem jeden ärztlichen Mitgliede eine Visite machen und untertänigst um ein geneigtes Votum bei der Abstimmung bitten — hierzu waren summa summarum 13 Visiten erforderlich. Schwere angst- und sorgenvolle Gänge, zu denen der Jüngling mit pochendem Herzen sich anschicken mußte. Er notiert genau das Datum, am 22. Juli 1717 nach christlicher Zeitrechnung, am Mittwoch, 13. Menachem 5477, 3 Tage nach dem Hinscheiden seines großen Lehrers, Js. Castelnuovo, für den er noch in der Trauerwoche eine Gedächtnisrede halten mußte, die aber, was schon jetzt bemerkt werden soll, einen solchen Beifall fand, daß sie ihm bald darauf einen kleinen Posten für religiöse Vorträge an einigen Abenden in der Woche eintrug. So in gedrückter Stimmung besuchte er die Aerzte des Collegiums, einen nach dem anderen, und sie alle bis auf einen, versprachen ihm, bei der Kugelung eine weiße Kugel zur Genehmigung seiner Bitte einzulegen. Der Eine war ehrlich genug, Dr. Nathusius ist sein Name, der ihm offen erklärte, daß das Collegium nicht darauf eingehen könne. Erstens weil e§' bereits im vorigen Jahre 2 andere jüdische Kandidaten

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