Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 10)
- Language
- German
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119 dann den praktischen Teil beginnen zu können. Hierauf erteilte mir der Lehrer eine Aufgabe, in der 12 verschiedene Krankheitsformen zu erörtern waren. Es gelang mir, die Arbeit dem Wunsche meines Lehrers entsprechend zur festgesetzten Zeit zu übergeben. Da in dieser Arbeit bereits Materialien zum Doktor-Examen enthalten waren, so riet mir mein Lehrer, mich um die Doktor-Würde zu bewerben. Anfangs widerstrebte ich diesem Rate, ich wollte den Gegnern zeigen, daß ich nicht studiere, um Ehre und Ruhm zu erlangen oder mir eine Erwerbsquelle zu schaffen, sondern daß nur die Liebe zur Wissenschaft mich dazu geführt habe. Mein Lehrer war aber entgegengesetzter Ansicht. Selbst wenn das Studium, meinte er, zur Quelle für den Erwerb gemacht wird, ist es nicht verwerflich, wenn man dabei nur bestrebt bleibt, im Dienste der menschlichen Gesellschaft zu wirken. Es bedurfte vieler Ueberredung, bis ich darein willigte, doch wollte ich dies alles noch geheim halten, um bei etwaigem Mißlingen mich nicht nachher dem Gespötte meiner Gegner auszusetzen. Soviel konnte ich schon nach kurzer Zeit erfahren, daß vor Eröffnung des Doktor-Examens zuvörderst die Erlaubnis des Papstes erbeten werden müsse. Das Honorar sollte 90 Scudi betragen, während es für einen Christen nur 30 betrug. Doch lag es in der Hand des Aerzte- Kollegiums, das Honorar auf 60 Scudi zu ermäßigen. Der Lehrer beschrieb mir dann alle Weitläufigkeiten und Schwierigkeiten, die hierbei zu überwinden wären. Zugleich ermutigte er mich, hierin nicht zu ermüden, und versicherte mich seines ferneren Beistandes." Auf seinen Rat und mit seiner Empfehlung begann nun Gonzago die medizinischen und philosophischen Vorlesungen an der Sapienza, wie die Universität zu Nom genannt wird, zu hören. Er wurde gut ausgenommen, obwohl er bei Allen als Jude sich einführte; einer der Professoren, der am Sonnabend die Vorlesung hielt, versprach, nachdem ihm Gonzago gesagt hatte, daß er an diesem Tage zur Vorlesung nicht kommen könne, einen andern Hörer zu bestimmen, der am Montag sein Kollegienheft dem Gonzago leihen sollte, damit er das am Sonnabend Versäumte nachtrage. Nun galt es, die päpstliche Erlaubnis für das Examen zu erlangen. In ermüdender