Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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118 ihyl wöchentlich 7 Lektionen unentgeltlich zu erteilen. Gonzago suchte anfänglich diesen Unterricht geheim zu halten, weil er fürchtete, man würde störend gegen ihn auftreten) daher wußten es nur drei seiner intimen Freunde. Aber bald wurde es doch ruchbar) ein christlicher Freund des Arztes, der oft während der Lektionen sich im Lehr- Zimmer aufhielt, sprach mit einem Juden hiervon, und bald verbreitete es sich von letzterem aus über die ganze Stadt, sodaß alle davon sprachen und sich darüber unterhielten. Dem Einen gefiel es, dem Andern mißfiel es, sodaß Gonzago eine längere Zeit das Gespräch der Leute bildete. Inzwischen traten verschiedene Unterbrechungen im Studium ein, über die wir wieder einmal Gonzago selbst hören müssen: ״Mein Lehrer," berichtet dieser, ״war für 8 Tage vom Vice-Castellano nach dem Kastell eingeladen, wo er sich während des Tages aufhielt und nur nachts heimkehrte. Um nun keine Unterbrechung im Unterrichte eintreten zu lassen, lud der Lehrer mich ein, des Morgens vor Tagesanbruch zu ihm zu kommen. Da wurde ich aber krank und von allen Seiten wurde nur der Vorwurf gemacht, daß ich durch das Frühaufstehen und den weiten Weg mir die Krankheit zugezogen habe. Gott aber erhörte mein Gebet, sodaß ich nach 14 Tagen wieder ausgehen konnte. Auf Anraten eines Arztes ging ich dann an die See, um mich gehörig zu erholen. Da auch mein Lehrer während dieser Zeit verreiste, so konnte ich ganz ungestört der Erholung mich widmen. Aber nach meiner Rückkehr fand ich meinen Lehrer sehr beschäftigt und von seiner Praxis in Anspruch genommen, sodaß ihm für mich gar keine Zeit übrig blieb. Kaum hatte seine Beschäftigung ein wenig nachgelassen, trat wieder ein neues Ereignis ein, was uns auf längere Zeit vom Studium fernhielt. Der Vize-Kastellan, bei dem mein Lehrer Hausarzt war, erkrankte plötzlich so sehr, daß mein Lehrer fortwährend bei ihm verweilen mußte. Ich benutzte diese Zeit, um alles bisher Gelernte zu wiederholen und verschaffte mir Eingang in den anatomischen Saal, wo ich manches erfahren konnte, wie mir mein Lehrer anempfohlen hatte. Im Sommer konnte ich wieder ungestört die Lektionen bei meinem Lehrer aufnehmen und die ganze Medicina theoretisch absolvieren, um