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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 117

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 117 (sequence 8)
Language
German
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117 kurz gefaßt sei. Er riet daher, einen anderen Lehrer zu nehmen. Da aber die Vorsteher der Talmud Thora keine Gelder dafür bewilligen wollten, nahm sich Gonzago ein Herz, zum Lehrer zu gehen und ihn merken zu lassen, daß er gern bei ihm das Studium fortsetzen wolle, wenn er auf ein Honorar dafür verzichten möchte. Der Lehrer war hierzu bereit, und Gonzago setzte mit besonderem Fleiße seine Studien bei diesem Lehrer fort. Eines Tages ließ er seinen Schüler folgendes schreiben: Unterzeichneter verpflichtet sich, Mathematik, Physik und Metaphysik fleißig zu studieren, Jehuda Gonzago, wohingegen der Lehrer schriftlich die Verpflichtung hinzufügte, diesen Unterricht unentgeltlich zu erteilen. Damit wollte er, wie er sich dann näher ausließ, jedes Bedenken zerstreuen, das Gonzago etwa abhalten könnte, an den Vorlesungen sich zu beteiligen. Gonzago hörte nun mit besonderer Vorliebe die Vorlesungen über Vergil und Prosodie, und wiederholte die bereits erhaltenen Lektionen über Physik und andere wissenschaftlichen Disziplinen. In der Talmud Thora aber war inzwischen der lateinische Unterricht ganz in Verfall geraten, weil die Majorität gegen die Beibehaltung dieses Unterrichts stimmte. Gonzago aber setzte seine Studien mit vielem Fleiße fort, sowohl im Lateinischen als auch in der Philosophie. Aber Aufregungen und Anstrengungen wie der mangelhafte Lebensunterhalt trugen dazu bei, daß der lernbegierige Jüngling krank wurde. Am Neujahrstage des Jahres 1716 wurde der Patient von einem ehemaligen Vorsteher der Talmud Thora besucht, der sich teilnehmend nach seinen Verhältnissen erkundigte und hierbei den Wunsch aussprach, Gonzago möge mit Ernst das medizinische Studium betreiben, zu welchem Behufs er ihn an einen befreundeten Arzt empfehlen wollte. Nachdem Gonzago genesen, begab er sich mit Samuel Saadon, wie dieser Mann hieß, zu jenem Arzte, der mit besonderer Ausmerksamkeit die bisherige Lebens- und Leidensgeschichte des Jünglings sich erzählen ließ, dagegen aber unter großem Bedauern die Bitte des Letzteren, ihn in das medizinische Studium einzuführen, zurückweisen mußte, weil /es ihm an der nötigen Zeit fehle. Erst bei einem zweiten Besuche gelang es ihm und seinem Begleiter, den Arzt zu bewegen,

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