Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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116 spät ins Bureau komme. Diesem wurde dann von den Vorstehern des Vereins der Sachverhalt erzählt, worauf er mich freisprach, dem Beamten aber einen Verweis erteilte, weil er nicht sofort das Geldstück näher angesehen und geprüft hatte. Als ich nun mit meinem Lehrer das Gerichtszimmer verließ, wollte ich den alten und fast blinden Mann nach Hause begleiten, damit ihm kein Unfall zustoße. Aber meine Verwandten und Freunde hielten mich zurück: er hat dir so viel Böses zugefügt, daß er deinen Namen angegeben, er konnte ja aussagen, daß er nicht wisse oder sich nicht erinnere, wer ihm das Geldstück gegeben habe. Du hättest — wäre die Münze für unächt befunden — mindestens 2 Monate Gefängnis erhalten. Solchen Mann willst du noch begleiten, du mußt dich sofort von ihm lossagen und auch den Unterricht bei ihm aufgeben! Doch ich hörte nicht auf solche Worte und brachte den Alten nach Hause. Aber am folgenden Morgen begab ich mich zu ihm und stellte ihn zur Rede, warum er meinen Namen angegeben habe, worauf er sich entschuldigte: Mein Lieber, würde ich dies nicht getan haben, dann würde man mich lange Zeit in Untersuchungshaft gehalten haben, iu der ich alter und hülfloser Mann umgekommen wäre. — Gonzago erzählt dann, wie sich seine Studien nach dem Zwischenfalle weiter entwickelt hatten. Um diese Zeit hatte die Talmud Thora ihm die Subvention für den Unterricht in der Physik entzogen, aus Mangel an Geldmitteln. Er wollte aber das ihm so lieb gewordene Studium nicht aufgeben; daher kam er mit seinem Freunde Sabbatai di Castro überein, im Geheimen diese Lektionen fortzusetzen und das Honorar dafür aus eigener Tasche zu bezahlen. Aber nur einen Monat hatten sie es so durchsetzen können, dann konnte sein Freund nicht weiter zahlen. Außerdem hatten sie von verschiedenen Seiten gehört, daß der Unterricht ihres bisherigen Lehrers zu kurz gefaßt war und sich für Anfänger gar nicht eignete. Daher begaben sie sich am Wochenfeste des Jahres 1715 zu einem besreundeten Geistlichen, um ihm die Diktate über Physik und Scholastik ihres Lehrers zu zeigen und von ihm ein Urteil zu hören. Er antwortete, daß die Definitionen nicht hinreichend seien, wie auch das ganze Werk für Anfänger zu