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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 115

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 115 (sequence 6)
Language
German
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115 Subvention zu erhalten. Als er diese zum ersten Male in Empfang nahm, war unter dem Gelde eine Münze, die er, ohne sie weiter zu betrachten, seinem christlichen Lehrer als Honorar gab. Dieser ging darauf in eine Wirtschaft, wo er ein Maß Wein trank, den er mit der erhaltenen Münze bezahlen wollte. Der Wirt aber erklärte die Münze für falsch; ein zufällig anwesender Polizist nahm die Münze sofort in Beschlag und führte den Lehrer zur Polizei. Zur Rede gestellt, gab der Lehrer an, daß er dieses Geld von seinem Schüler Jehuda Gonzago erhalten habe. Hierauf erhielt der jüdische Kriminal-Polizist Meir di Castro die Ordre, sofort den Jehuda Gonzago vorzusühren. Hören wir jetzt diesen selbst erzählen: ״Als der Polizist in das Haus meiner Eltern kam und nach mir fragte, erschraken sie sehr, und eine große Angst bemächtigte sich ihrer. Sie ließen mich sofort aus der Talmud Thora holen und fragten mich alsbald, ob ich mir etwas zu Schulden habe kommen lassen, oder ob ich mit Jemandem über religiöse Dinge disputiert hätte. Ich verneinte diese Fragen und versicherte meine Unschuld. Ich säumte nicht, sofort den Vorstehern des Vereines מתיר אסורים, welcher die Aufgabe hat, unschuldig Verhafteten beizustehen, von meiner Affäre Kenntnis zu geben. Sie erschienen gleich darauf im Hause meiner Eltern, um mich nach dem Gerichtssaale zu begleiten. Hier hatte ich folgendes Verhör zu bestehen: Der Beamte frug mich: ״Bist du Jehuda Gonzago?" Ja. ״Beschäftigst du dich mit Philosophie?" Ja. ״Wie heißt dein Lehrer?" Andreas Cerazza, wohnhaft via Chiavara. ״An welchem Tage hast du ihm Geld gegeben?" Heute gab ich ihm vier Giulii. ״Welche Münzen waren es?" 2 Silber- und 2 Kupfermünzen. ״Hast du ihni diese Münze gegeben?" Ich weiß es nicht; denn als ich heute das Geld erhielt, ließ ich die einzelnen Münzen in meine Tasche gleiten, ohne sie genauer anzusehen. Inzwischen nahm einer der Vorsteher, der mit dem Beamten befreundet war, das Geldstück in näheren Augenschein und erklärte es für echt, worauf er es bei dem Beamten durchsetzte, daß er es dem Numismatiker vorlegen ließ, der ebenfalls das Geldstück für echt fand. Doch wollte der Beamte mich nicht früher als bis zum Abend entlassen, da der Richter erst 8'

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