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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 114

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 114 (sequence 5)
Language
German
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114 Es trat hierauf ein anderer christlicher Lehrer ein, namens Andreas Cerazza, der besoldet wurde. Der Unterricht fand in einem Privathause statt, da man die heiligen Räume der Talmud Thora für den profanen Unterricht nicht hergeben mochte. Vorlesungen über Logik hielt Benjamin Corcos, Während der christliche Lehrer außer dem sprachlichen Unterricht auch Physik und andere Wissenschaften vortrug. Als aber später in einem neuen Hause der Talmud Thora auch der profane Unterricht ausgenommen und auch die lateinischen Aufgaben dort gemacht werden sollten, erhob sich von einer Seite Widerstand, der aber nicht beachtet wurde, jedenfalls aber eine gewisse Aufregung hervorrief, die zuletzt der Ausbreitung des profanen Wissens überhaupt galt. Hierbei bemerkt Jehuda Gonzago, daß sein Lehrer Ephraim della Torre, der ihn väterlich liebte, ihn anfeuerte, unerschrocken und unentwegt bei dem Studium zu bleiben und sich vom Gerede der Leute nicht beeinflussen zu lassen. Leider verlor er schnell den Lehrer, der am Sonnabend 20. Adar 1713 im Alter von 55 Jahren verstarb. Hochangesehen und beliebt, im Umgänge sanftmütig und belehrend, wurde sein Tod allgemein beklagt. Es erhob sich von neuem der Sturm gegen das Studium der profanen Wissenschaften. David Segre konnte es nicht länger ertragen, daß Gonzago studieren wollte und zu diesem Zwecke täglich mehrere Stunden außerhalb der Talmud Thora zubrachte. Er suchte daher den Gonzago auf alle mögliche Weise zu kränken und ihn zu schädigen, und als alles dies nicht hals, verklagte er ihn beim Rabbiner und verleumdete ihn, daß er nur eine Stunde täglich in der Talmud Thora verweile, die übrige Zeit aber mit dem fremden Studium verbringe. Gonzago ist hierbei sehr aussührlich, zu berichten, wie ihm sein Gegner die bis dahin gewährte Unterstützung entzog, wie er dann mit ihm in einen Disput sich einließ, um ihm zu erklären, daß er alle die Studien, selbst das medizinische Studium, nicht etwa als Brotstudium betreibe, sondern nur, um klassische Formen für religiöse Vorträge und für öffentliches Auftreten zu gewinnen. Es gelang ihm endlich, den Widerstand seines Opponenten zu brechen und sogar vom Vorstande eine monatliche

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