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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 113

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 113 (sequence 4)
Language
German
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113 Er denkt und fühlt mit dem Psalmisten: Weil ich mir immer den Ewigen vor Augen stelle, daß er mir nämlich zur Rechten stehe, mir zu helfen und mich auf die rechte Bahn zu leiten, deshalb wanke ich nicht. Denn fest stehe ich im Bertrauen auf Ihn. Der Gedanke an Gott wird den tugendhaften Menschen in seinen Leiden erheben, in seinem Glücke aber ihn davor bewahren, daß er in Hochmut verfalle. Nach diesen und anderen ähnlichen Worten beginnt Gonzago seine ersten Erinnerungen mitzuteilen. In seinen Kindesjahren wurde er anfänglich von Rabbi Abraham Pisano unterrichtet, der aber bereits hochbetagt war und daher nicht mehr dem Unterrichte in Bibel und Mischnah mit der erforderlichen Kraft sich widmen konnte. Allwöchentlich fand eine Visitation der Klasse statt, und als bei einer dieser Prüfungen der fleißige Knabe durch seine trefflichen Antworten aus die vorgelegten Fragen die Aufmerksamkeit des Vorstehers Elischa di Montopoli auf sich lenkte, beschenkte ihn dieser und versetzte ihn in eine höhere Abteilung, in die Talmudklasse des Rabbi Isaak Castelnuovo, während er den grammatischen Unterrichtbeiseinem früheren Lehrer beibehielt. Diesem wurden im Alter 3 Giulii von seinem wöchentlichen Gehalte abgenommen, sodaß er nur 15 Giulii für die Woche erhielt, dafür aber nur eine Stunde täglich, um 22—23 (Vas heißt bei uns von 4—5) eine Lektion in der Grammatik zu erteilen hatte. Als dieser Lehrer am 3. Oktober 1704 das Zeitliche gesegnet hatte, wurde der grammatische Unterricht, an dem auch Mose Localo und Isaak Ascarelli teilnahmen, von dem Lehrer Joseph Palestrino erteilt. Als neue Vorsteher für die Talmud Thora gewählt wurden, nämlich Jakob Chajat, Mordechai di Capua und Mordechai Ephrati, erhielten diese von der Consulta die Erlaubnis, einen christlichen Lehrer für den fremdsprachlichen Unterricht zu engagieren. Dieser, mit Namen Vitale, unterrichtete täglich in der Schule, wofür er keine Bezahlung annahm, aber als Gegenleistung sich im hebräischen Pentateuch unterrichten ließ. Zu seinen Schülern gehörten Mose Localo, Mose Bondi, Sabatai di Castro und Jsak Modigliano. Man entließ ihn jedoch bald; wahrscheinlich hatte er seine Bekehrungssucht merken lassen. 8

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