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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 111

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jünglings
Date
1904-01-01
Page
Seite 111 (sequence 2)
Language
German
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111 Paul IV. mit einem Schlage ein Ende. Am 3. Oktober 1555 war eine hohe, dicke, nur von 2 Toren für den Ein- und Ausgang unterbrochene Mauer um das Viertel herum hergestellt, welches von jetzt an die Juden allein bewohnen sollten. Es begann das Ghetto-Leben, ein Leben voller Leiden, voller Entbehrungen und Verhöhnungen, Versuchungen und Verführungen. Aber selbst unter diesem unbeschreiblichen Druck hat sich der Ghetto-Jude eine Fülle von Tugenden und Kräften zu bewahren gewußt. Denn innerhalb dieser Mauern konnte sich ein autonomes Gemeindewesen, das bis zu einer gewissen Grenze seine Unabhängigkeit bewahrte, und das seine eigenen Beamten, seine Polizei, sogar sein eigenes Gefängnis für disziplinäre Vergehen hatte, entwickeln. Eine wohlorganisierte Verwaltung auf Grund einer Verfassung und verschiedener Statuten für einzelne Zweige, beraten von der Consulta, welche aus 60 Mitgliedern bestand, und geleitet von dem Kollegium der Fattori, erstreckte sich über alle Angelegenheiten der Gemeinde, weltlicher oder auch religiöser Natur. In ihren Beratungen bildeten zumeist die unaufhörlichen Steuerauflagen, mit welchen die päpstliche Regierung immer von neuem an die Ghetto-Bewohner herantrat, die schwer drückenden Sorgen, welche sie oft bis zur Verzweiflung führten. Und dennoch — es ist rührend und zugleich erhebend — fanden sie noch den Mut, in solchen angstvollen Stunden auch die inneren Verhältnisse der Gemeinde in Beratung zu nehmen und auf Wege und Mittel für die Hebung und Verbesserung derselben zu sinnen. Vor allein galt ihre Fürsorge dem Unterricht der Jugend, wie der Belehrung der Erwachsenen. Die Jnstruktionen und Reglements, welche für den Unterricht ausgearbeitet wurden, können selbst in unseren Zeiten als mustergiltig angesehen werden. Vorzüglich wurde die Kenntnis der hebräischen Texte in der Bibel und im Gebetbuch gefördert. Auch für den Unterricht der Mädchen wurde gesorgt; sie mußten ebenfalls das Hebräische korrekt lesen und gründlich verstehen lernen, und das Beispiel, wie Debora Ascarelli es zeigt, dürfte sicher nicht vereinzelt geblieben sein. Aber auch das Streben nach profanem Wissen, das niemals bei den Juden in Rom gefehlt hat, nimmt im

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