Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Die jüdische Staatsverfassung
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 14)
- Language
- German
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104 Wälzungen brachte, kann es auch einmal vorgekommen sein, daß es dem regierenden Hohenpriester gelang, den Rat der Alten aufzulösen. Aber auf die Dauer ließ sich die Hohepriesterliche Alleinherrschaft nicht behaupten. Aus manchen Mitteilungen des Josephus geht hervor, daß wenigstens zur Zeit der Syrerherrschaft ein Rat der Alten vorhanden war. Antiochus der Große befreite die Aeltesten (die Mitglieder des hohen Rats), die Priester, Tempelschreiber und die (levitischen) Sänger*) von allen Steuern und Abgaben. Auch in der Geschichte der Freiheitskämpfe während der Makkabäerzeit spielt der hohe Rat eine bedeutende Rolle. Mit den Religionskämpfen gegen den Hellenismus trat in Judäa eine bedeutende Aenderung im politischen Leben ein. Die regierende Hohepriesterfamilie Zadok, die viele Jahrhunderte hindurch das höchste Amt im Heiligtum hatte (sie allein behielt ihre Würde aus der vorexilischen Zeit), wurde depossediert; sie nahm ein schimpfliches Ende. An die Stelle der zadokitischen Hohenpriester kamen die hasmonäisch en, da sich diese Familie in den Freiheitskriegen rühmlich hervorgetan und nicht nur die Religionsfreiheit gerettet, sondern auch die politische Unabhängigkeit erobert hatte. Zum erstenmal seit Jahrhunderten gab es wieder ein politisch und national unabhängiges jüdisches Volk. In der ersten Zeit waren sich auch die Hasmonäer ihres volkstümlichen, ich möchte beinahe sagen: revolutionären Ursprungs bewußt. Sie strebten nicht nach Alleinherrschaft, sondern duldeten ruhig an ihrer Seite einen Volksrat. Als sie zum Zeichen der politischen Unabhängigkeit Münzen schlagen ließen, durste der Name dieses ״Hohen Rates" (חבר היהודים) auf den Münzen nicht fehlen. Der Staat wurde gleichsam im Namen des jeweiligen Hohenpriesters und des Senats regiert. Solche Münzen, mit dem Namen des הבד היהודים besitzen wir von dem Hohen- Priester Johanan-Hyrkan (dieser heißt auf manchen Münzen Vorsitzender des jüdischen Senats ראש חבד היהודים), Juda- *) Bei dieser Gelegenheit mag noch erwähnt werden, daß von jeher ein Rangunterschied zwischen levitischen Sängern und sonstigen Diensttuenden im Tempel bestand; nur die zuerst genannten gehörten zum Adel. Nach talmudischen Quellen durfte sich kein levitischer Sänger zum niedern Tempeldienst degradieren.