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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 101

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Die jüdische Staatsverfassung
Date
1904-01-01
Page
Seite 101 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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101 daß sie sozialer Natur waren und mit den im Buche Sacharja (Kap. 12) erwähnten identisch sind. Die Lage in Judäa wird durch die Worte geschildert: ״Die sich gerettet haben von der Gefangenschaft, dort in der Landschaft, befinden sich in Not und in großer Schmach; die Mauer Jerusalems liegt in Trümmern, und ihre Tore sind niedergebrannt." Nehemia, der beim König hoch in Ansehen stand, reiste nach Judäa mit weitgehender Vollmacht. Er war tatkräftig und griff mit großer Entschiedenheit ein, dort wo sich Esra bloß mit bitterer Klage und Trauer begnügte. Er fand in Jerusalem einen mächtigen, reichen und zum Teil sehr eigennützigen Adel vor, den er zumeist als ״Adelige und Würdenträger" (חורים וסגנים) bezeichnete. Die Stellung dieses Adels mochte bei einem Manne von solcher Tatkräftigkeit etwas an Bedeutung eingebüßt haben, aber seine Vorrechte verlor er doch nicht. Bei allen Beschlüssen wirkte er in erster Reihe mit. Nehemia gab den vornehmen Männern, die mit ihren armen Volksgenossen Wucher trieben, gehörig Bescheid; er hielt ihnen ihren Eigennutz und ihre Hartherzigkeit vor. Aber die Familienoberhäupter und Adeligen blieben in ihrem Range. Als die neue Ordnung in Judäa hergestellt wurde, schlossen sie einen Vertrag (אמנת); es war dies eine Art Staats- Verfassung, die schriftlich festgesetzt wurde. Beim Unterfertigen dieses merkwürdigen Schriftstückes wurde folgende Rangordnung innegehalten: zuerst der Tirschata (Landpfleger) Nehemia, dann zweiundzwanzig vornehme. Priester, dann siebzehn vornehme Leviten und zuletzt vierundvierzig Familienoberhäupter als Vertreter des Volkes (ראשי העם). Diese Zahl vierundvierzig hat, wie wir noch sehen werden, eine besondere Bedeutung. Auf das Zeitalter Nehemias folgt ein Jahrhundert in der jüdischen Geschichte, von dem uns fast keine einzige Tatsache mitgeteilt wurde; was " uns Josephus aus der letzten Zeit der Perserherrschaft zu erzählen weiß, ist an sich nicht ganz ohne Interesse, aber es fehlt uns jede zusammenhängende Erklärung für jene Begebenheiten. Hingegen hat uns die talmudische Literatur die Erinnerung an eine innere Einrichtung aufbewahrt, von der wir nur bedauern müssen, daß wir sie nicht mit genügender Ausführlichkeit kennen.

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