Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Die jüdische Staatsverfassung
Date
1904-01-01
Page
Seite 98 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111080-3112430--1829-3112542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

98 wohl die Zukunft Israels und seine einstige Größe in den glänzendsten Farben geschaut haben; auch sprachen sie in den herrlichsten Bildern von dem Glück, das dem jüdischen Volk erblühen würde. Aber die Wirklichkeit entsprach keineswegs diesem glückverheißendem Zukunstsbilde. Der Anfang war ganz unbedeutend; es fehlte sogar unter den Juden selbst die rechte Begeisterung und der Glaube an ein glückliches Ende. Aber die neue Gemeinde in Judäa bedurfte einer Führerschaft in nationaler und in religiöser Beziehung. Zudem lag es im Wesen des persischen Staats, daß der jüdischem Gemeinde doch auch einige politische Rechte zustanden. Palästina bildete einen Teil der syrischen Satrapie, oder, wie die damalige offizielle Benennung hieß, der Landschaften ״jenseits des Flusses". Der Satrap dieser Provinz kümmerte sich in der Hauptsache nur darum, daß die Juden die Oberherrschaft des persischen ״Königs der Könige" anerkannten und die ihnen auferlegten Abgaben aller Art (מנדה בלו והלך) pünktlich zahlten. An der Spitze der Landschaft Judäa stand ein jüdischer Statthalter, der bald נשיא*), bald aber התרשתא (stets mit dem bestimmten Artikel) oder ה ns (einmal מהם) genannt wird. Nach außen wird wohl die Macht dieses Unterstatthalters ziemlich unbedeutend gewesen sein, in Judäa aber besaß er Macht genug, um vom Volk viele Steuern und sonstige Abgaben erpressen zu können, für die persische Regierung und auch für sich. Und was er selbst nicht nahm, das nahmen seine Leute (Nehemia 5,15.). Dem jüdischen Landpfleger — so wollen wir ihn in der Folge bezeichnen — zur Seite standen die vornehmen ״Familienoberhäupter" (ראשי האבות). In ihnen haben wir die Anfänge der späteren ״Gerusia", deren Macht und Bedeutung im Laufe der Zeit verschiedene Wandlungen durch- *) Esra 1,8 und 11 wird der נשיא Sesbazzar erwähnt, der mit Serubabel identisch sein soll, indem Sesbazzar als der babylonische Name Serubabels zu verstehen wäre. Ich will nur darauf aufmerksam machen, daß das politische Oberhaupt Judäas in den Büchern Esra-Nehemia sonst niemals נשיא genannt wird, sondern entweder פהה oder החרשתא• Die Bezeichnung הנשיא ליהודה heißt zweifellos: der judäische Fürst (in Babylonien); Sesbazzar war früher Oberhaupt der Judenschaft im Exil. In den letzten neun Kapiteln des Buches Ezechiel ist hingegen vom נשיא Israels häufig die Rede.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.