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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 96

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Die jüdische Staatsverfassung
Date
1904-01-01
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
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96 des Heiligtums durch die babylonischen Truppen bestand für sehr llrrze Zeit — für kaum zwei Monate — ein kleiner Rest des-'jüdischen Staates, dessen Mittelpunkt das benjaminitische Mizpa war. Von einem Staatsleben konnte in dieser kurzen Zeit kaum die Rede sein. Gedalja war der vom König Nebukadnezar eingesetzte Statthalter von Judäa; in der Stadt lag eine babylonische Garnison. Um Gedalja hatten sich die höheren jüdischen Truppenführer (שרי החילים) gesammelt, die jedoch, abgesehen von ihrem persönlichen Ansehen, keine Macht besaßen. So konnte es beispielsweise der Feldherr Johanan b. Koreah nicht durchsetzen, dem Prinzen Jsmael b. Natanja, dessen böse Absichten er kannte, zuvorzukommen und so den völligen Untergang des jüdischen Staates zu verhindern. Nachdem das Unglück geschehen war, führten Johanan b. Koreah und seine Genossen, die Truppenführer, das große Wort. Sie setzten es durch, daß die Judäer, die die Rache der Babylonier fürchteten, nach Aegypten stohen. Es gab damals keinen judäischen Staat mehr, und der bei jener Gelegenheit gefaßte Beschluß kann gewiß als kein Staatsakt gelten. Ein heimatlos gewordener Menschenhaufen läßt sich von einer Handvoll rücksichtsloser Männer verleiten, nach Aegypten auszuwandern. So endete das Staatsleben Israels in der ersten Epoche seiner politischen Geschichte. II. So befremdend der Ausspruch auch klingen mag, ist es doch eine geschichtliche Tatsache, daß das nationale Leben des jüdischen Volkes erst mit der Zeit der Vernichtung des jüdischen Staats beginnt. Um diese Zeit fängt auch erst die Entwickelung des jüdischen Volkstums an. Der Grundstein zur geschichtlichen Bedeutung des jüdischen Volkes ist in der Fremde gelegt worden. In Babylonien standen die Exulanten, die sich zum größten Teil aus den vornehmsten Judäern zusammensetzten, unter der Führerschaft ihrer ״Aeltesten", gleichviel welche Form ihre Führerschaft gehabt haben mochte. Die ״Aeltesten Jsraels" (זקני ישראל), (in der späteren Zeit beginnt der Brauch, auch die Judäer als ״Israel" zu bezeichnen) werden in den

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