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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 87

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 87 (sequence 53)
Language
German
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87 schaftliche Grundlage ihres Systems entnehmen konnten, ohne ihren Götterglauben zu gefährden. Gar nicht ferner stören die monotheistischen Anwandlungen des Empedokles diesen als „Priester und Prophet"* **)) auftretenden Mann, seine Philosophie in Einklang zu halten mit der Volksreligion. Von Demokrit's Verhalten zum Volksglauben ist schon die Rede gewesen, daß er nämlich zwar keinen Gott, aber entstandene Götter anerkennt. Zeller hält ihn sogar für den ersten, der zur Ausgleichung der Volksreligion mit der Philosophie die Götter des Volksglaubens zu Dämonen herabgesetzt. Die Sophisten nahmen allerdings eine feindliche Stellung gegen die Volksreligion ein. Sie hielten, die einen, die Religion für eine bloße Erfindung kluger Männer zur besseren Handhabung der bürgerlichen Einrichtungen/'*) die andern, entstanden aus der ursprünglichen Verehrung des Nützlichen wie der Himmelskörper oder auf Erden der Flüsse und Quellen. Aber ihre Erschütterung alter religiöser Grundlagen konnte wohl zersetzend, aber nicht reformierend wirken, mußte auch den Staat zum Einschreiten bewegen. Nach ihnen verträgt sich die Philosophie, so gut es geht, mit der hergebrachten Religion. Die Cyniker, im heidnischen Sinne Atheisten, d. h. Leugner der Volksgötter und nur einen Gott annehmend, machen doch für die Praxis die erforderlichen Konzessionen. Plato und Aristoteles, die großen Träger der griechischen Philosophie, erkennen allerdings nur einen höchsten Gott an, aber Raum für die Volksgötter haben sie doch gelassen durch die Bezeichnung der Gestirne als „sichtbare Götter". Hatte noch Plato eine Reform der Volksreligion angestrebt, so treffen wir bei Aristoteles schon auf eine Art doppelter Buchführung. In seinen Forschungen läßt er sich von der Volksreligion und von den Mythen in nichts beeinflussen, aber die Religion will er geehrt wissen und nimmt selbst teil an ihren Uebungen. Die Orthodoxie der Stoiker ist bekannt, sie mag immerhin, wie Zeller annimmt, weniger als Konsequenz des Systems denn als die *) Zeller, S. 738. **) Zeller, S. 1012.

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