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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 86

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 86 (sequence 52)
Language
German
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86 Ich habe hier nicht nötig, mich einzudrängen in die Entscheidung der Frage, die durch Freudenthals sehr belehrende Abhandlung über Aenophanes jetzt vorliegt/) ob nämlich Lenophanes trotz seiner Betonung des einzigen Gottes dennoch auch für seine-Person eine Anzahl von ewigen Wesenheiten als Teilgötter anerkannt habe, wie Freudenthal meint, oder ob die „Götter" bei Xenophanes nicht real gedacht sind und der Ausdruck später nur bald einen laxern Sprachgebrauch, bald absichtliche Schonung der Volksmeinung bedeute. Für unser Thema genügt die Tatsache, daß das Pathos des Tenophanes sich richtet auf Beseitigung der unwürdigen Vorstellungen von den Göttern, wie sie in den Köpfen des Volkes befestigt durch Homer und Hesiod lebten, nicht aber auf Beseitigung des Götterglaubens. So sehr ich persönlich der Ansicht bin, daß Lenophanes Monotheist war, aus seinen Fragmenten läßt sich doch nur erkennen, daß er die Gefahren abwenden will, welche ein falsches Meinen über die Götter zur Folge hat, daß er aber die Erkenntnis, welche im Mosaismus hervortritt, daß jede Konzession gegen den Polytheismus notwendig zum Aberglauben führt, noch nicht hat. Wenn man die Götter nur in der rechten Weise ehrt, dann hat er nichts dagegen. Aber daß das auf die Länge nicht möglich ist, sieht er nicht ein. Und so geht der Götterglaube aus den scharfen Hieben, die Lenophanes gegen ihn geführt, heil und gesund hervor. Ebensowenig hat Heraklit den Volksglauben erschüttern wollen, so viel Ausstellungen er auch an den gangbaren Vorstellungen und kultuellen Bräuchen zu machen hatte. Er eifert sogar gegen das bestehende Opferwesen, er greift den Bilderdienst an, er verurteilt das durch Hesiod sanktionierte Tagewählen, aber, so urteilt Zeller,*) **) die Volksreligion selbst wollte er nicht antasten. Ein Mann wie Heraklit steht, was nicht gesagt zu werden braucht, hoch über dem Aberglauben der Menge, aber er redet doch die Sprache eines Gläubigen, so daß die frommen Stoiker später getrost ihm die wissen- *) Ueber die Theologie des Xenophanes (Jahre s-Bericht des jüd.- theol. Seminars, Breslau 1886). **) I., S. 666.

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