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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 84 (sequence 50)
Language
German
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84 Es verlohnt sich wohl der Mühe, zu sagen, warum sie wenig ausgerichtet. Es ist, als ob Niemand über den Volksgeist, dessen Teil er ist, ganz hinauswachsen kann. Der durch die Geschichte gewordene geistige Zustand der Nation ist auch in dem größten Manne derselben ein Beherrschendes oder doch Stimmendes. Ob daher das Verhältnis der Philosophie zu der Volksreligion ein freundliches oder feindliches war, etwas spezifisch Hellenisches gibt sich in diesem Verhältnis immer zu erkennen. Die Hervorragendsten unter ihnen glauben den Polytheismus blos läutern zu dürfen, um ihn mit ihren reineren Vorstellungen von der Gottheit zu versöhnen. Aber den Polytheismus läutern heißt Mohren weiß waschen wollen. Er selbst ist Quelle der Entartung. Die Andern, die, wie die Sophisten, der Volksreligion feindlich und ungläubig gegenüberstehen, machen nicht etwa den Uebergang vom Polytheismus zum Monotheismus, sondern zum Atheismus.*) Es wiederholt sich däs in allen Phasen der Geschichte. Wer die Dogmen seiner Volksreligion für falsch ansieht, pflegt in der Regel nicht so. viel vom Gottglauben zu behalten, daß er daran doch etwas Positives hat. Aberglauben; sie rühmten die bei ihnen geschehene Wunder-Werke; es war alles voll von Göttersprüchen, von Wahrsagungen, von Prophezeyungen; und die Pfaffen erfunden allerhand Kennzeichen von dem Zorne oder der Güte der Götter, deren Dollmetscher sie sehn wolten. Die Absicht war, die Gemüter, durch Furcht und Hoffnung menschlicher Zufälle, zu regieren; Allein auf das zukünftige Leben wurde gar nicht gesehen, und niemand bemühte sich, den Menschen rechtschaffene Meynungen von Gott und der Seele beyzubringen. Unter allen alten Voelkern, die uns bekannt sind, haben die Hebräer allein oeffentliche Lehr-Sätze von ihrer Religion gehabt. Abraham und, Moses haben den Glauben an einen einzigen Gott, als den Ursprung alles Guten und Schöpfer aller Dinge, festgesetzt. Die Hebräer reden von selbigem aus eine Art, die vom höchsten Wesen anständig ist, und man muß sich verwundern, wenn man stehet, daß die Inwohner eines so kleinen Stückes der Erde verständiger und erleuchteter gewesen sind, als das übrige gantze menschliche Geschlecht. Es mögen vielleicht auch wohl kluge und weise Leute unter anderen Nationen von Gott bißweilen auf eben dergleichen Art geredet haben, allein sie haben das Glück nicht gehabt, daß man ihnen gefolgt und ihre Lehren als ein Gesetze angenommen hätte. - *) S. Zeller, I., 1011.

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