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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 83

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 83 (sequence 49)
Language
German
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83 genauer der Seelenwanderung in dem Sinne zuzuschreiben, daß sie diese Lehre nicht der Philosophie verdankten, sondern umgekehrt der Philosophie als eine Beisteuer geliefert hätten. Das Verhältnis der Philosophie zur Religion wurde schon flüchtig, berührt und soll hiernach etwas näher charakterisiert werden. Kein Verständiger wird der griechischen Philosophie, dieser Wunderblüte des menschlichen Geistes, es bestreiten, daß sie hoch über den gewöhnlichen Vorstellungen der griechischen Religion stand. Ein Mann wie Tenophanes kritisiert die Anthropomorphisierung der Götter oder vielmehr Gottes mit einer Wendung des Gedankens, die drittehalbtausend Jahre später in Spinoza, wie ich glaube ohne Kenntnis des Lenophanischen Fragments, sich genau so wiederholt.*) In Sokrates, ob wir ihn, wie viele von J'enophon an, als Monotheisten**) fassen, wozu viele seiner überlieferten Aeußerungen uns veranlassen könnten, der von den Volksgöttern nur aus Anbequemung redet, oder, was gewiß richtiger ist, als einen Polytheisten, der aber die Götter zur Einheit des Göttlichen zusammenzufassen weiß, wird Jeder ein religiös-sittliches Genie anzuerkennen haben, lieber die Erhabenheit der platonischen Vorstellung von der Gottheit braucht kein Wort verloren zu werden. Und dennoch, wie schon der große Leibnitz***) andeutet, haben sie nichts ausgerichtet. *) Zeller, I., S. 490. Spinoza, ep. LX. **) Zeller, II., S, 146. ***) Die Worte Leibnitzens, in der auch sonst sehr bemerkenswerten Vorrede zur Theodicee, lauten in dieser Beziehung folgendermaßen: Die Heyden .... hatten nur eine Art der Formalitäten. Sie hatten wohl Zeremonien in ihrem Gottesdienste, aber von Glaubens- Artikeln hörte man bey ihnen nichts; es war ihnen auch niemahls in den Sinn gekommen, ihre dogmatische Theologie in gewisse Formeln zu bringen. Sie wußten nicht, ob die Götter würkliche Personen oder bloße Zeichen und Sinn-Bilder natürlicher Kräfte als z. E. der Sonne, der Planeten, der Elemente wären. Ihre Geheimnisse bestunden nicht in schweren Lehr-Sähen, sondern in gewissen geheimen Verrichtungen, zu welchen Profane Leute, das ist, die dazu nicht eingeweyhet waren, niemahls zugelassen wurden. Diese Berrichtungen waren offters lächerlich und abgeschmackt, und man mußte sie geheim halten, damit sie nicht möchten in Verachtung kommen. Die Heyden hatten ihre 6»

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