Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Der Mosaismus und das Judentum
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 48)
- Language
- German
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82 die schärfste Kritik an den unwürdigen Vorstellungen, welche die Dichter über die Götter verbreitet haben, zu üben. Aber indem die Philosophen sich daran gewöhnten, ihre philosophischen Ansichten so vorzutragen, daß dabei der polytheistische Dienst fortbestehen konnte, war ihr Einfluß auf die Volksreligion nicht eingreifend genug, so daß als letztes Resultat sich herausgestellt nicht Ueberwindung des Polytheismus durch die Philosophie, sondern Unterjochung der Philosophie durch den Polytheismus. Wir kommen noch darauf zurück, nachdem wir einen andern, mit unserer Frage zusammenhängenden Punkt erledigt haben. _ Es ist vorzugsweise das Verdienst Lobecks,*) daß man auch in Rücksicht auf die Mysterien in Griechenland sich ernüchtert hat. Man sieht jetzt nicht mehr in ihnen theosophische Weisheit, man fabelt nicht mehr von einem esoterischen Monotheismus, den sie gelehrt. Man weiß, daß schon die Vorgänge bei den Mysterien eine nüchterne Belehrung ausschließen. In den Mysterien erbaute man sich durch dramatische Vorführung der Götterlegenden, durch liturgische Formeln und Erzählungen über die Götter und Kultusstätten. In den Mysterien wurde der Kult geübt, der im Vergleich mit dem offiziellen die ältere Gestalt des griechischen Götterglaubens darstellte und der, an sich schon verwandt mit den orientalischen Kulten, von diesen auch manches herübernahm. Der philosophische Inhalt, den die sogenannten Orphiker ihren Mysterien gaben, ging doch nicht über einen solchen Pantheismus hinaus, der sich mit dem Polytheismus aufs beste vertrug. Dagegen schreiben auch die nüchternsten Forscher den Eleusinien, namentlich aber den Orphikern, einen Einfluß auf die von der griechischen Philosophie vorgetragene Unsterblichkeitslehre zu. Wenn auch nach Zeller (I. S. 53 ff.) in den Eleusinien noch kein sicherer Unsterblichkeitsgedanke vorkommt, sondern den Mysten fürs Jenseits nur die Gunst der chthonischen Götter verheißen wurde, so steht er doch nicht an, den Orphikern die Lehre von der Unsterblichkeit oder *) In Aglaophamus (Bergt, beit Art. Mysteria in Pauly's Realencyclopädie der klassischen Altertumswissenschaft).