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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 80

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 80 (sequence 46)
Language
German
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80 memden „Nichtse" waren. Vielmehr führte jede größere Vereinigung von griechischen Gemeinden auch zu einer Vereinigung von Göttern, von denen einige es bis zu einer allgemeinen Verehrung gebracht, andere den Charakter einer besonderen lokalen Schutzgottheit für besondere Zwecke nie verloren haben. Der Grund aber, für diese Weitherzigkeit lag offenbar darin, daß der Grieche, wie der Heide überhaupt, eine spezifische Differenz zwischen einem Gott und einem Menschen nicht annahm. Unter Gott verstand er ein Wesen, das mehr Macht hatte als ein Mensch. Selbst der Unterschied zwischen Gott und Dämon bildete sich erst allmälig aus. Bei Homer sind beide Ausdrücke noch gleichbedeutend, erst Hefiod unterscheidet sie. So ist es denn nur natürlich, daß Menschen zu Göttern werden, in der besten griechischen Zeit allerdings erst nach ihrem Tode, in der Zeit des Verfalls und des sinkenden Selbstbewußtseins aber auch schon bei Lebzeiten. (So wird Lykurg*) als Gott verehrt, Salganeus, der Lotse des Megabyzos, als Apollo, Pythagoras als Apollon Hyperboreios, Sophokles als Dexion. Ebenso wird dem Hippokrates von Aerzten alljährlich ein Opfer dargebracht. Als erstes Beispiel der Apotheisirung Lebender aber begegnet uns die göttliche Verehrung, die dem Lysander durch Errichtung von Altären, durch Opfer und Püane von griechischen Städten dekretiert wurde. Lysander hat dann eine lange Reihe von Nachfolgern an den Machthabern, denen die griechische Schmeichelei das Prädikat und die Ehre von Göttern verlieh.) Bei solchen Anschauungen kann man umgekehrt sagen, daß die griechische Volksreligion die Tendenz hatte, die Zahl der Götter zu vermehren, nicht sie in einen einzigen aufgehen zu lassen. Selbst der Bestandteil der griechischen Volksreligion, den die Erforscher derselben als den edelsten bezeichnen, der Apollokult, dem „Hoheit und Sittenreinheit" eignet und der von „aller phantastischen Mythologie entkleidet sich einem monotheistischen Glauben nähert" (Bernhardy angeführt bei Hermann, S. 25) befestigt durch sein Orakel in Delphi den Polytheismus. Denn dieses Orakel verkündet *) S. die Stellen bei Hermann. S. 59.

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