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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 79

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 79 (sequence 45)
Language
German
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79 gegeben, als auch die Ehren und Künste unter ihnen verteilt, als auch ihre Gestalt angedeutet haben" ist daher freilich als eine einschränkende Bemerkung hinzuzufügen, daß es von der Anbetung der Gestirne und der Natur nur in einem langen Zeitraum zu der bunten Fülle der bei den genannten Dichtern auftretenden individuell charakteristischen Göttergestalten gekommen sein kann. Aber wahr ist es doch, daß die Poesie das Unbestimmte bestimmt und nicht mehr leicht verschiebbar gemacht. Was sie begonnen, das haben die Künstler vollendet, und was Homer durchs Wort, das haben die Künstler durchs Bild der Volksseele so fest eingeprägt, daß die Reflexion nicht mehr die Macht hatte, sie aus dem Leben zu verdrängen. Die Tatsache, daß im Homer bereits eine Art systematische Vereinigung der Götter, also ein Götterkollegium uns entgegentritt mit Ueberordnung und Unterordnung, die Auffassung nämlich des Zeus als Vater der Götter und Menschen, hat bei weitem nicht die Konsequenz, daß man darin einen Ansatz zum Monotheismus sehen kann. Schon die im Homer stehende Bezeichnung des Zeus als Kroniden nimmt ihm das Attribut der Ewigkeit und schließt den Gedanken aus, daß er alles geschaffen habe. Wer selbst einen Vater hat, ist nicht Schöpfer oder — da der biblische Begriff des Wortes Schöpfer für die Griechen ein Ungedanke ist — auch nicht Erzeuger der Welt und der Götter. Dazu kommt, daß die Systematik der Götterhierarchie bei Homer nicht etwa eine vollendete, sondern eine durchaus flüssige ist. Die griechische Götterwelt ist ja eine Serie von Wesen, die nicht von einem einheitlichen Punkte aus der schöpferischen Phantasie des Volkes entsprungen sind. Ursprünglich war ihre Bedeutung eine lokale. Der physische und moralische Gesichtskreis einer Gemeinde schuf sich einen Einzel- oder Privatgott. Sehr zutreffend sagt Hermann:*) Der ursprüngliche Lokalgott habe nicht einen monotheistischen, sondern einen einzelgöttischen Charakter gehabt. Biblisch möchte ich mich ausdrücken: es war kein „El Karma“, kein eifersüchtiger Gott, dem gegenüber die Götter anderer Ge- *) Karl Fr. Hermann: Lehrbuch der gottesdienstlichen Altertümer der Griechen. S. 7.

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