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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 78

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Der Mosaismus und das Judentum
Date
1904-01-01
Page
Seite 78 (sequence 44)
Language
German
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78 Tendenzen zeigt. Der Grund liegt aber einerseits in der Entstehung derselben, andererseits in der künstlerischen Anlage des Volkes. Ursprünglich war die griechische Religion Naturreligion. Namentlich waren es wie bei anderen Heiden diejenigen Naturwesen, die durch ihre imponierende Schönheit, ihre Macht und ihren Einfluß am meisten in die Augen fielen, der Himmel mit seinem Sternenheer. „Es ist offenbar," sagt Plato, „daß die ersten Menschen in Griechenland diese allein für die Götter angesehen haben wie jetzt viele der Barbaren, nämlich Sonne und Mond und Sterne und Himmel." Dasselbe sagt Aristoteles: Es ist von den Vorzeitlichen und ganz Alten in Form des Mythos überliefert worden als Nachlaß an die spätern Menschen, daß diese (die Gestirne) Götter sind und daß das Göttliche die ganze Natur umfaßt. Das Übrige ist bereits in mythischer Form hinzugefügt zur Ueberredung der Menge und zum Gebrauch für die Gesetze und das Nützliche. Als menschenähnlich sowohl als auch einigen andern von den Lebewesen gleich bezeichnete man sie, und dem Aehnliches und Verwandtes hat man daran geknüpft. Sieht man davon ab und hält blos das Erste fest, daß sie die ersten Wesenheiten für Götter hielten, so muß man das als göttlich gedacht bezeichnen. Aristoteles weiß also die ursprüngliche Naturreligion besser mit seinem philosophischen System zu vereinigen als die später anthropomorphen oder, da er offenbar auch von Aegypten redet, zoomorphen Götter. In der Tat störte gerade der Uebergang von der bloßen Personifizierung oder richtiger von der bloßen Verlebendigung der Naturwesen und Kräfte zu der plastischen Ausgestaltung dieser Wesen zu Jdealmenschen, wie er allmälig durch die griechischen Dichter und Künstler sich vollzog, das Zusammengehen der Götter in eine einzige Potenz mehr, als das bei den blos etwas selbständig gefügten Naturwesen und Naturkrästen der Fall war, die doch ohnehin die Tendenz hatten, zur Einheit der Natur sich zusamnlenzuschließen. Zu Herodots (II. Kap. 53) berühmt gewordenem Satze: „Diese (Homer und Hesiod) haben den Hellenen ihr Göttergeschlecht gebildet, indem sie ihnen sowohl ihre Beinamen

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